SUBTERFUGE 

Subterfuge Foto: Anika Potzler

Die Düsseldorfer Indie-Pop Band “Subterfuge” gibt es bereits seit 1991 und wurde damals zu Schulzeiten der Bandmitglieder gegründet – inzwischen haben Daniel, Kai, Lars, Lorenz, Tom und Tommy selber 11 Kinder. Neue Musik gab es dementsprechend lange nicht. Subterfuge war 15 Jahre lang von der Bildfläche verschwunden, die Freundschaft zwischen den Bandmitgliedern hielt trotzdem. Und jetzt, über einem Jahrzehnt später, legen die Düsseldorfer Freunde wieder los: Seit Mitte 2021 haben sie bereits vier Singles veröffentlicht und am 4. März 2022 steht der Release ihres neuen Albums “Dots” an. Das Comeback der Band könnt Ihr mit den Indie-Helden zusammen im zakk beim Konzert am 4. März feiern oder auf ihrer Tour durch ganz Deutschland. “Dots” ist eine Hommage an all die letzten Jahre, die die Bandmitglieder miteinander durchlebt haben. Über alte Erinnerungen und neue Pläne haben wir mit Sänger, Gitarrist und Songschreiber Thomas Baumhoff von “Subterfuge”gesprochen.

Für Leute, die Euch und Eure Musik nicht kennen, wie würdet Ihr Euren Musikstil beschreiben? Popmusik wäre wahrscheinlich ein zu weiter Begriff. Indie-Pop sagt heute zwar irgendwie nichts mehr aus, weist aber immerhin darauf hin, dass wir nicht vom gängigen Mainstream Pop reden, der tagsüber auf EinsLive läuft. 

Wie seid Ihr zur Musik gekommen und wann habt Ihr damit angefangen? Ich komme aus einer sehr Klassik-affinen Familie und durchlief die normalen frühmusikalischen Erziehungswege mit Chor und Blockflötenunterricht. Als sich meine Eltern trennten, bekam ich von meiner Mutter als allererstes die heiß ersehnte Gitarre geschenkt, die mein Vater als unzureichendes Instrument empfunden hatte. Er hätte aus mir gerne einen Kirchenmusiker sprich Organisten gemacht. 

Und was die Band angeht: Lars und ich lernten uns 1988 im 731er Bus kennen, der von Knittkuhl in die Innenstadt fuhr. Bei einem ersten Treffen führten wir uns gegenseitig unsere Gitarren-Skills vor. Kurz darauf stieg Lars in unsere New Wave Band „Charming Crime” ein, in der ich schon ein paar Monate mit meinem Freund Timo und zwei Brüdern aus Rath spielte. Nach zwei Demotapes und einigen Konzerten wollten wir etwas eigenes und vor allem anderes machen und Lars, Mark und ich gründeten Ende 1991 eine neue Band namens Subterfuge.

Welche Musiker*innen haben Euch geprägt und inspiriert und tun es noch heute? Ich war mit sechs bis sieben Jahren zur Nachmittagsbetreuung bei einer Dame aus der Nachbarschaft, die mir ein Tape mit unter anderem dem Beatles-Album „The Beatles for Sale“ aufnahm. Ich glaube, ich hörte viele Jahre nichts anderes und schöpfe wohl noch heute aus diesem harmonischen Fundus. Die nächste wegweisende Band war für mich sowie für Lars „The Cure“. Hier hörte und sah man, dass diese Typen etwas anderes darstellen wollten als die Bands, die meine Klassenkameraden hörten (Duran Duran, A-ha, Queen und ZZ Top), was mich unglaublich faszinierte und sich auch auf meinen Style als dreizehnjähriger New Waver auswirkte. Anfang der 90er wurden dann die Haare länger und Bands wie die Lemonheads und Teenage Fanclub wichtiger. Insbesondere unseren ersten beiden Platten hört man das sicherlich auch an.

Ihr wart jetzt circa 15 Jahre von der Bildfläche verschwunden, warum habt Ihr damals aufgehört und was ist in der Zwischenzeit bei Euch so passiert? Unsere Platte „The Legendary Eifel Tapes“ aufzunehmen war ein ziemlicher Kraftakt und dann gab es dafür nicht die Aufmerksamkeit, die wir uns gewünscht hätten. Musikalisch war nicht klar, wo es genau hingehen sollte und nach 15 Jahren Band hatten wir dann alle auch erstmal genug davon und eher Lust auf was Eigenes. Ich habe noch vor dem ersten Kind angefangen – zusammen mit unserem Mischer Thomas Hannes – eine Platte aufzunehmen, die 2012 unter dem Namen „Ponyboy & Lovely Jeanny“ erschienen ist. Tom (Blankenberg) hat mit seinen Solo Piano Aktivitäten begonnen, sein Bruder Kai hat auch eine Platte als Mont Blanc aufgenommen, die noch veröffentlicht werden muss. Ähnliches bei Lars, der ein Weltraum-Konzeptalbum als „Modern Air & Space Society“ aufgenommen hat und ja auch noch Quent macht. Wir sind aber mit insgesamt 11 Kindern bestimmt auch Düsseldorfs kinderreichste Band. Insofern gab es neben Kinder Großziehen und seinen Job zu machen nicht viel Raum für umfangreichere, gemeinsame, musikalische Projekte. 

Wie hat sich Euer Sound über die Jahre verändert? Bei Bandgründung gab es die oben genannten, klaren musikalischen Bezugspunkte. Bands aus den USA wie Hüsker Dü, die Lemonheads oder Dinosaur Jr. und englische Bands wie Mega City Four, die Senseless Things und Teenage Fanclub spielten bereits das, was wir auch machen wollten. Eine Mischung aus Pop und Punk. Wir nannten unsere Musik dementsprechend so wie einige dieser Bands  es auch taten: Popcore. Bei uns wurde dann aber schnell der Pop wichtiger als der Core. Heute ist unsere Musik sicherlich ein Potpourri aus all der Musik, die wir selber im Laufe unseres Lebens gehört haben.

Euer neues Album, was am 4. März erscheint, heißt “Dots” – was steckt hinter dem Namen? Mein Vater ist vor drei Jahren gestorben. Bei der Auflösung seines Haushalts hatte ich Unmengen alter Dinge in den Händen wie zum Beispiel ein Sammelalbum mit Bildern der Olympiade von 1934, ausgefranste und vollgekritzelte Schulbücher, alte Briefe, alte Familienfotos. Einige dieser Dinge bilden jetzt den grafischen Fundus für unser aktuelles Cover Artwork. Die Idee zum Titel kam aus den hochgezogenen alten Druckgrafiken auf dem Cover, bei denen man die Rasterpunkte sehen kann. Lars und ich fanden, dass der Titel „Dots” eine schöne Metapher für die bislang gemeinsam zurückgelegte musikalische Wegstrecke und die gemeinsamen Erinnerungen und Erlebnisse wäre.

Inwiefern hebt sich Dots von Euren anderen Alben ab? Erste Hörer waren sich einig, dass es auf unserer aktuellen Platte ein neues, psychedelisches Element gibt, was sich wie ein roter Faden durch das ganze Album zieht und die durchaus unterschiedlichen Ansätze der Songs und auch der etwas epischeren Stücke zusammenhält. Das sehen wir auch so. 

Was hat Euch dazu gebracht, wieder zusammen ein Album aufzunehmen? Da wir auch während der bandfreien Zeit enge Freunde geblieben sind und uns auch gegenseitig bei unseren musikalischen Solo Unternehmungen unterstützt haben, lag es nahe, wieder etwas zusammen zu machen. Bei einem gemeinsamen Wochenende entstand 2014 ein erster Song und alle hatten wieder Blut geleckt. Hinzu kam, dass wir seit 2014 unsere alten Songs bei Spotify streamen lassen. Dadurch und durch ein wenig Social Media Präsenz bekamen wir zum ersten Mal unmittelbar widergespiegelt, wie viele Menschen doch etwas mit unserer Musik verbinden. Auch eine Band wie wir hat offensichtlich mit ein paar Songs den Soundtrack zu einigen Leben in Gründungsphase geliefert. Und das sogar in Japan und Indonesien, wo bereits 2001 unsere Platte „I Do Birds“ erschien.

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Was schätzt Ihr an Düsseldorf? Das Urbane, seine Kunstaffinität und die Lage zwischen Köln und Ruhrgebiet bei gleichzeitiger Nähe zu Holland und Belgien. Aber auch das kleinstädtische und ländliche mit Rhein, Urdenbacher Kämpe und dem beginnenden Bergischen Land im Osten der Stadt. Und wie in einer Kleinstadt kennt hier jeder jeden. Ich glaube in Berlin würde ich durchdrehen angesichts der Vielzahl kultureller Möglichkeiten. Hier hat das alles ein gesundes Maß. So bleibt man fokussiert.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf habt Ihr wo verbracht? Ob es die eine Nacht gibt, weiss ich nicht. Aber Mitte der 90er waren wir Nächte lang im Rheingoldsaal am Hauptbahnhof. Und Anfang der 00er im Unique Club von Henry Storch, wo wir auch unser Silly Girl Video aufgenommen haben. Und als Teenager waren wir natürlich im Schaukelstühlchen und auch mal im Ratinger Hof oder im Linelight, wenn man uns reinließ. Das war toll und aufregend. 

Was vermisst Ihr an der Stadt, wenn Ihr nicht in Düsseldorf seid? Den Rhein und die Segelflugwiese sowie den Grafenberger Wald.

Inwiefern inspiriert Euch Düsseldorf in Eurer Musik? Unsere neue Platte ist textlich sehr autobiografisch. Lars und ich lernten uns wie gesagt im 731er Bus kennen, aber unsere coolen Freunde aus Unterbach fuhren immer mit dem 781er Bus in die Stadt. Von diesem handelt ein Song unserer neuen Platte. Der Song „Vacant Lots” ist ein Abgesang auf schöne und nicht nach den Gesetzmäßigkeiten des Marktes funktionierende Orte, die wir zuletzt an die Immobilien-Entwickler dieser Welt verloren haben. Soziokulturell bedeutsame Orte wie die Brause bei der wir lange Zeit aktive Mitglieder waren oder die Datscha, die ich vor vielen Jahren mitgegründet habe, sind ja in deren Denke nicht viel mehr als schnellstmöglich zu monetarisierende Baulücken. 

Düsseldorf in drei Worten:
1) Ziemlich 2) gute 3) Stadt.

Was bringt die Zukunft? In unserem Fall als Band ein Album, eine Tour und danach bestimmt irgendwann neue gemeinsame Musik. Sowohl Kai, Lars, Tom und ich arbeiten dabei parallel auch an weiteren Solo-Veröffentlichungen.

Vielen Dank.

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Interview: Paula Schepers
Fotos:
siehe Bildbeschreibung
© THE DORF 2022

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