FRITZ ADAMSKI

Name: Fritz Adamski
Alter: 37
Beruf: Objektdesigner

Gelernter Beruf: B.A. Textil-und Bekleidungstechnik
Instagram: @fritz_adamski

Von Kleidung zu Keramik: Fritz Adamski gestaltet Alltagsobjekte und verleiht ihnen einen kreativen Twist. Was als Hobby begann, ist mittlerweile seine Passion. Der Düsseldorfer Designer, der ursprünglich aus der Textil-und Bekleidungstechnik kommt, studiert derzeit New Craft Object Design an der Hochschule Düsseldorf und ist Teil des Blow Shops – eine unabhängige Bühne, die zeitgenössische Designer:innen präsentiert. Die Idee dahinter: einen Ort der Vernetzung und des Austauschs für Kreative zu schaffen. Was Fritz‘ Entwürfe, die von alltäglichen Gegenständen wie Schüsseln und Tassen bis hin zu dekorativen Objekten reichen, vereint, ist ihre Originalität und das überraschende Spiel mit verschiedenen Materialien. Hinter der teilweise beiläufigen Optik (die er, wie wir erfahren, auch oft dem Zufall überlässt) steckt jedoch viel Recherche und die jahrelange Beschäftigung mit Form, Farbe und Gestaltung. Im Interview spricht Fritz über das Konzept des Blow Shops, den Herstellungsprozess seiner Produkte und die Entwicklung der Düsseldorfer Designszene. 

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Wie hat sich Deine Liebe zu Keramikobjekten entwickelt? Wie lange bist Du schon aktiv und was hat Dich dazu gebracht? Ich habe ursprünglich in Mönchengladbach Textil-und Bekleidungstechnik studiert und darin meinen Bachelor gemacht. Danach habe ich bei einer Schuhfirma im Vertrieb gearbeitet und dann schnell gemerkt, dass das Verkaufen und dieses zahlenbasierte Business nicht meins ist. Da habe ich dann als Ausgleich nebenbei mit dem Töpfern angefangen und bin irgendwie dabeigeblieben. Das war vor vier Jahren. Währenddessen habe ich auch bemerkt, dass mir nicht nur das Töpfern, sondern das Gestalten generell liegt und daraufhin das Studium New Craft Object Design an der HSD begonnen. 

War das schon immer Dein Traum? Rückblickend würde ich sagen, dass ich mich während meiner gesamten Kindheit schon immer mit gestalterischen Dingen beschäftigt habe. Das habe ich im Zuge des Studiums und vor allem im Zuge des Jobs danach etwas aus den Augen verloren und dann für mich wiederentdeckt. Ich habe mich gefragt: Wo bin ich falsch abgebogen? Es war also nicht unbedingt das Töpfern, welches schon immer mein Traum war, sondern die kreative Arbeit. 

Wie lässt sich der Stil Deiner Arbeiten beschreiben und welchen (künstlerischen) Ansatz verfolgst Du? In meinen Arbeiten haben immer der Zufall und das Ausprobieren ihren Raum – was einerseits natürlich viel Freiheit lässt, aber andererseits auch manchmal zu Frustration führt, wenn es dann doch nicht klappt. Darüber hinaus generiere ich jedoch auch etwas, was Spaß macht und nicht zu streng ist. Man soll sehen, dass ich Freude beim Gestalten hatte und dass einige Formen zufällig entstanden sind. Mit meinen Arbeiten versuche ich, diese Lockerheit und Leichtigkeit zu vermitteln. Diese Idee von Freude in die Welt bringen – das gefällt mir einfach. Ich mag es auch, wenn ich das Feedback von Leuten bekomme, dass sie super gerne aus meinen Tassen trinken, weil sie interessant anzuschauen sind oder es schön ist, sie auf dem Tisch stehen zu haben. Wenn andere Freude dabei empfinden, freut mich das wiederum. 

Entwirfst du ausschließlich Keramik oder arbeitest Du auch mit anderen Materialien? Ich habe mein Studium mit der Idee begonnen, mich auch auf andere Materialien zu konzentrieren, wie Holz oder Metalle, weil mich das sehr interessiert. Bei den Projekten, die bisher in der HSD entstanden sind, habe ich darum weitestgehend auf Keramik verzichtet und zum Beispiel einen Hocker entworfen oder etwas, was ich mit der Keramik kombinieren kann. Das ist eigentlich die Idee des Studiums – dass ich mein Repertoire erweitere, weil ich mich selbst auch gar nicht unbedingt als Töpferer oder Keramiker verstehe, sondern als Designer. Da fallen dann eben auch andere Sachen drunter. 

Wer oder was inspiriert Dich bei Deiner Arbeit? Natürlich inspiriert mich Kunst generell. Ich versuche, relativ viel Kunst zu sehen, weil mir das viel zurückgibt. Es stresst mich nicht und fühlt sich auch nicht nach Arbeit an. Ich schaue mir auch wahnsinnig gerne Dokumentationen und Reportagen an – über verschiedene Menschen, wie sie leben, welche Probleme es in der Zukunft gibt und wie man sie lösen kann. Was mir zusätzlich immer wieder Denkanstöße gibt, sind Gespräche mit Freund:innen. Dieser Austausch mit anderen ist enorm wichtig, da man immer wieder neuen Input bekommt und dazu angeregt wird, noch ein Stück weiterzudenken, als man es sonst gemacht hätte. Soziale Medien würde ich zwar hintenanstellen, aber dadurch, dass ich das täglich viel nutze, ist das sicherlich auch ein Einfluss. 

Wie sieht der Herstellungsprozess Deiner Produkte aus? Ich mache mir im Vorfeld meistens keinen allzu strengen Plan, damit ich im Prozess noch frei entscheiden kann. Prinzipiell sieht es aber so aus: Ich kaufe die fertige rohe Tonmasse und überlege mir, welches Objekt es werden soll. Die meisten Sachen werden auf der Drehscheibe gedreht, das heißt, ich drehe sie, dann lasse ich sie antrocknen, setze sie nochmal auf die Drehscheibe und gebe dem Objekt dann die finale Form. Das passiert, in dem man es in halbtrockenem Zustand abdreht, sprich mit Klingen, Nadeln und Schienen darangeht und die finale Form bestimmt. Dann lässt man es trocknen und gibt es in den ersten Brand. Nach dem ersten Brand kann es glasiert werden. Das macht mir immer besonders viel Spaß – man weiß nie so recht, wie die Glasuren miteinander reagieren, wodurch das ein echt spannendes Feld ist. Jedoch gibt es dort am Ende auch den meisten Ausschuss. Nach dem Glasieren ist dann der Hochbrand bei ungefähr 1.250 Grad dran – und dann ist das Objekt fertig. 

Hast Du ein persönliches Lieblings-Keramikstück? Sowohl von mir selbst als auch von anderen wechselt das relativ häufig. Bei mir selbst ist es meistens eines der neueren Stücke, weil ich das Gefühl habe, dass ich immer noch viel dazulerne. Wenn ich jetzt auf Entwürfe von vor zwei Jahren gucke, gefallen die mir zwar immer noch total gut, jedoch merke ich schon, dass ich mit der Zeit besser geworden bin. Gelegentlich kaufe ich auch Objekte von anderen, wo ich dann eine ganze Weile Spaß habe, die zu studieren. Aber auch das wechselt. Manchmal sehe ich mich an Sachen satt. Die hole ich dann vielleicht drei Jahre später nochmal raus und freue mich dran. Aber dieses eine Lieblingsstück, was auf einem Podest steht, gibt es für mich nicht. Das wäre auch irgendwie unfair allen anderen gegenüber. 

Erzähle uns etwas über das Konzept des Blow Shops, wo Du ja auch aktiv involviert bist. Das hat vor zwei Jahren in Düsseldorf mit mir und vier weiteren Künstler:innen angefangen. Die Idee war, das wir für uns selbst eine Plattform schaffen wollten, um unsere Produkte als Gestalter:innen so zu präsentieren, wie wir uns das vorstellen. Das gab es so für uns bis dahin nicht, und als Gestalter:innen können wir ja auch den Raum selbst gestalten, in dem wir unsere Objekte präsentieren wollen. Das hat für uns alle richtig gut funktioniert. Außerdem ist es ein sehr fluides Konzept, wir wollten uns nicht auf einen Raum beschränken und das Ganze relativ offenhalten. Auf jeden Fall stand fest, dass wir das wiederholen wollen – in anderen Städten, mit anderen Leuten – und auch, dass es eine Plattform für einen Austausch wird. Seitdem versuchen wir, immer an neuen Orten aufzutauchen und mit den Leuten vor Ort in Kontakt zu kommen. Der zweite Blow Shop fand dann in Köln statt, wo wir mit supervielen Kölner Designer:innen in Kontakt gekommen sind, die jetzt teilweise auch Teil des stetigen Teams sind. Darüber ergibt sich eine Art Netzwerk und vor allem ein cooler Austausch. Wir lernen nette Leute kennen und haben die Möglichkeit, gemeinsam einen Raum für unsere Objekte zu gestalten. Genauso war es auch in Berlin, wo der fünfte Blow Shop stattfand. Dieser Austausch, diese Möglichkeit, zu wachsen, neue Objekte zu zeigen, das ist die eigentliche Intention dahinter. Der kommerzielle Gedanke steht dabei eher am Ende des Konzepts. 

Gerade in der jungen „Design/er-Szene“ in Düsseldorf tut sich aktuell einiges, wie man an Eurem Blow Shop Umfeld sieht. Wie siehst Du die Entwicklung und das Potenzial? Ich habe das Gefühl, dass Düsseldorf und Umgebung in Bezug auf Kunst, Gestaltung und Musik einen Hintergrund haben, der wahnsinnig viel möglich macht. Diese Disziplinen haben einen hohen Stellenwert in der Region, weshalb es hier auch stets eine gute Entwicklung gibt. Die Akzeptanz ist da sehr groß. In anderen Regionen spielen Kunst, Design und Gestaltung gar keine so große Rolle wie hier. Hier in Düsseldorf gibt es eine gute Sichtbarkeit, mit der wir alle zufrieden sein können. Allerdings denke ich auch, dass es noch Potential gibt, welches noch nicht ausgeschöpft ist. Gerade für Design könnte es mehr Raum geben. Für bildende Kunst gibt es sehr viele Plattformen, Design wird da oft nicht mit eingebunden. Allerdings ändert sich das auch gerade weltweit: Die Grenzen sind nicht mehr so streng. Das ändert sich also langfristig wahrscheinlich auch in Düsseldorf. 

Mit wem (tot oder lebendig) würdest Du gerne ein Altbier trinken und worüber würdet Ihr sprechen? Jane Goodall und wahrscheinlich würde ich einfach nur zuhören.

Wo siehst Du Dich in der Zukunft? Was sind die nächsten Steps? Ich sehe mich als Objektdesigner. Ich mag es einfach, Dinge zu gestalten, mit denen man sich täglich umgeben kann. In naher Zukunft will ich den Verkaufs- und Präsentationsprozess meiner Objekte optimieren und etwas konsistenter und übersichtlicher gestalten. Außerdem möchte ich natürlich weiterhin im Austausch mit Gleichgesinnten sein und soviel dazulernen wie es geht.

Vielen Dank!

Text: Valentina Görke
Fotos: Lasse Rotthoff
© THE DORF 2023

English version:

Name: Fritz Adamski
Age: 37
Occupation: Object designer

Profession: B.A. Textile and Clothing Technology 
Instagram: @fritz_adamski

From clothing to ceramics: Fritz Adamski designs everyday objects and gives them a creative twist. What began as a hobby is now his passion. The Düsseldorf designer, who originally comes from the textile and clothing technology sector, is currently studying New Craft Object Design at the Düsseldorf University of Applied Sciences and is part of the Blow Shop – an independent platform that presents collector designs by contemporary designers. The idea behind it: to create a place of networking and exchange for creatives. What unites Fritz’s designs, which range from everyday objects like bowls and cups to decorative objects, is their originality and the surprising play with different materials.

How did your love for ceramic objects develop? When did you start with it and what brought you to it? I originally studied textile and clothing technology in Mönchengladbach and did my bachelor’s degree in it. After that I worked in sales for a shoe company and quickly realised that selling and this number-based business is not my thing. That’s when I started making pottery on the side and somehow stuck with it. That was four years ago. In the meantime, I also noticed that not only pottery but design in general appeals to me, so I started studying New Craft Object Design at the HSD.

Was that always your dream? Looking back, I would say that I have always been involved with creative things throughout my childhood. I lost sight of that a bit during my studies and especially during my job afterwards, and then rediscovered it for myself. I asked myself: where did I take a wrong turn? So it wasn’t necessarily pottery, which had always been my dream, but creative work.

How can you describe the style of your work and what (artistic) approach do you follow? In my work, there is always room for chance and trial and error – which on the one hand allows a lot of freedom, of course, but on the other hand also some- times leads to frustration when things don’t work out. Beyond that, however, I also generate something that is fun and not too strict. I want people to see that I had fun creating and that some of the shapes came about by chance. With my works I try to convey this looseness and lightness. This idea of bringing joy into the world – I just like that. I also like it when I get feedback from people that they really like drinking from my cups because they are interesting to look at or it’s nice to have them on the table. If others find joy in it, that makes me happy again.

Who or what inspires you in your work? Of course, art inspires me in general. I try to see a lot of art because it gives me a lot back. It doesn’t stress me out and doesn’t feel like work. I also love watching documentaries and reports – about different people, how they live, what problems there are in the future and how they can be solved. Another thing that always gives me food for thought is talking to friends.

Tell us something about the concept of the Blow Shop, where you are also actively involved. It started two years ago in Düsseldorf with me and four other artists. The idea was that we wanted to create a platform for ourselves to present our products as designers in the way we imagined. This had not existed for us before, and as designers we can also design the space ourselves in which we want to present our objects. It’s a very fluid concept, we didn’t want to limit ourselves to one space and keep the whole thing relatively open. Since then, we’ve always tried to show up in new places and get in touch with the local people. The next Blow Shops took place in Cologne, Berlin and Antwerp, where we came into contact with many designers, some of whom are now part of the permanent team. This creates a kind of network and, above all, a cool exchange.

With whom (dead or alive) would you like to drink an Altbier and what would you talk about? Jane Goodall and probably I would just listen.

Thank you very much!

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