HIP HOP IN DÜSSELDORF | ZU TISCH MIT TOBIAS KARGOLL & JENS HEUBACH

Düsseldorf gilt nicht ohne Grund als das Hip-Hop-Büro des Ruhrgebiets. Die Stadt beherbergt seit mehr als drei Jahrzehnten eine lebendige Hip-Hop-Szene, die unabhängig und voller Kreativität agiert. Ausgehend von den Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag von Hip Hop als Genre haben wir mit Jens Heubach und Tobias Kargoll zwei zentrale Düsseldorfer Protagonisten aus unterschiedlichen Generationen an den THE DORF Roundtable gesetzt, der passenderweise im Büro von www.hiphop.de steht. Das Magazin wird dieses Jahr 25 Jahre alt.

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Tobias „Toxik“ Kargoll
Musikjournalist, Medienmanager, Moderator und seit 2012 Hiphop.de Herausgeber (unter dem Dach seines Unternehmens ManeraMedia GmbH). Er war Dozent für Digitales Publishing an der Heinrich-Heine-Universität und veröffentlichte 2021 gemeinsam mit Phillip Böndel das Buch „Erfolgsformel Hip-Hop“ im Campus Verlag. 

Bestes Album: „All Eyez On Me“ von 2Pac
Bestes Rap-Album: „Illmatic“ von Nas
Bester Rap-Song: „Shook Ones, Pt. II“ von Mobb Depp
Liebstes Mixtape: „Crooklyn Cuts Vol. III (Tape A)“ von DJ Premier

Jens Heubach
Gehört seit den frühen 1990er Jahren als DJ Jenz und Produzent (u.a. unter dem Künstlernamen Benz Reibach) zu den Hip-Hop-Aktivisten des Landes. In seinem (Back)Katalog finden sich Labels (Grasshoppa, KillBiff Entertainment), ein Hip-Hop-Shop (g-hoppa), Clubs (GEE-Club) und Studios (BilkBass); neben eigenen Produktionen verantwortete er Aufnahmen (unter anderem für Wu-Tal Records) für Künstler wie Millionadi, Nimzwai, DNF, UGS, DNW, Selfmade Records, Asphaltliteraten und Icklack Squad. Aktuell arbeitet Jens Heubach als Projektmanager bei der Düsseldorf Congress GmbH. 

Bevorzugtes Album: „People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm“ von A Tribe Called Quest
Wichtigstes Album: „He’s the DJ, I’m the Rapper“ von DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince. Es war 1988 das erste Doppel-Vinyl-Album im Hip Hop und hat mir das Scratchen beigebracht.


Was war Eure erste Begegnung mit Hip Hop?
Jens Heubach: Mein Vater war sehr Technikaffin, so dass ich eine Bandmaschine und Plattenspieler zur Verfügung hatte, dadurch habe ich angefangen im Radio Mixtapes aufzunehmen – und da lief „I Need A Beat“ von LL Cool J. Damals wusste ich noch nicht, was das für eine Musikrichtung ist. Der Name Hip Hop war mir noch nicht bekannt. Das waren die Zeiten, wo man mit dem Walkman auf dem Schulweg die Kassetten wochenlang runtergehört hat, immer wieder dieselben Sachen.

Tobias Kargoll: Mit 13 war ich mit meinen Eltern in L.A., dort hingen überall Werbeplakate von 2Pacs Album „All Eyez On Me“. Ich habe mir das Album gekauft, es gefeiert und dann immer, wenn das Taschengeld reichte, weitere Alben von ihm gekauft. Dann habe ich mit Snoop Doggy Dogg weiter gemacht, weil der als Feature-Gast bei Tupac dabei war. Bis mir dann mein Basketball-Trainer Ice-T empfohlen hat. So ging es immer weiter.

Was hat Hip Hop, was andere Musikstile nicht haben? Was macht die Kultur so anziehend für Euch?
Tobias Kargoll: Der Frage, was Hip Hop ausmacht, kann man sich gut nähern, wenn man sich anschaut, wie die Kultur in der Bronx entstand. In den 70er Jahren war New York pleite. Ausgebrannte Autos in den Straßen, Häuser standen leer. Es gab den sogenannten „white flight“: Alle, die es sich erlauben konnten, zogen weg. Durch rassistische und klassistische Strukturen in der Gesellschaft waren die, die es sich nicht erlauben konnten, Schwarze und Puerto-Ricaner. In Stadtteilen wie der Bronx hatte man kaum Aufstiegschancen, aber direkt vor Augen, dass es anderen Menschen besser geht. Man sah das im Fernsehen und auf Werbeplakaten, ein paar U-Bahn-Stopps entfernt lag das reiche Manhattan. Unerreichbar, direkt vor der Nase. 

Dieser Kontrast, den es auch heute in unserer Gesellschaft gibt, erzeugte die Energie, aus der Hip Hop entstand. Angefangen mit Graffiti: Da malen Leute ihren Namen mit Lackdosen an Wände. Deutlicher kann man kaum machen, dass man Marginalisierung überwinden will. Man kann sich in den Hip-Hop-Kunstformen selbst erfinden, man kreiert seine eigene Kunstfigur. Das spricht auch Jugendliche an, die nicht von Diskriminierung betroffen sind. Bei allem Individualismus gab es im Hip Hop von Anfang an Breakdance-Crews, Graffiti-Crews und Rap-Crews. Man schafft sich einen engen Freundeskreis als Ersatzfamilie, auf dieselbe Art und aus denselben Gründen, aus denen das Straßengangs tun. 

Gemeinsam ist man stärker. Auch das hat mich angesprochen. Loyalität und lange Freundschaften sind mir genauso wichtig, wie ich mich in dem Drang, mich selbst auszudrücken, wiederfinde. Dazu kommt das Kompetitive: Hip Hop ist Wettbewerb. Man malt gegeneinander, tanzt gegeneinander, rappt gegeneinander, DJs legen gegeneinander auf. Und zu guter Letzt eine eigene Art von auf Autonomität ausgerichteter Unternehmergeist. Es gegen alle Widerstände von unten nach oben zu schaffen, sich aus eigener Kraft etwas aufzubauen. Hip Hop heißt: Wenn ich in Manhattan nicht in den Club komme, starte ich in der Bronx mit meinen Freunden meine eigene Party und erfinde dabei eine neue Musikrichtung. Dieser Spirit, aus dem heraus DJ Kool Herc vor 50 Jahren Hip Hop erschaffen hat, treibt die Kultur bis heute an.

Der Markt war zu Anfang übersichtlich, was es leichter gemacht hat, eine Identifikation mit einer Community zu entwickeln. Dann gab es aber auch Brüche zwischen den Hip Hop-Lagern. Wie habt Ihr die Community, die sich um Euch herum gebildet hat, wahrgenommen?
Tobias Kargoll: Heute ist es diverser. Hip Hop umfasst vier Generationen. Die verschiedenen Kunstformen haben sich fortentwickelt, nicht jeder, der Graffiti malt, muss Rap hören. Innerhalb von Rap gibt es verschiedene Strömungen. Wenn du innerhalb Düsseldorfs Beslik Meister und Farid Bang vergleichst: Die repräsentieren verschiedene Generationen und Strömungen. Beslik ist ein junger New-Wave-Rapper, da geht es um Eskapismus, Hedonismus, Techno-Beats, Punk-Attitde und der Homie fährt Skateboard. Bei Farid Bang geht es um Wettkampf, um Battlerap mit dreckigem Humor, aber auch um Krieg mit der Gesellschaft, um Provokation und darum, sich gegen Widerstände sein Stück vom Kuchen zu nehmen. Der eine feiert die Nacht auf Drogen durch und zelebriert, wie fertig er aussieht, der andere macht Fitness und trägt Prada. Die Strömungen teilen aber die gleiche Hip-Hop-DNA.

Jens Heubach: Als es hier anfänglich rüber geschwappt ist, gab es ja noch gar nicht die Medien, um sich zu informieren. Es gab kein Viva, es gab kein MTV, es gab drei, vier Sender – und irgendwann nachts um 1 Uhr auf Tele 5 ein paar Musikvideos, man musste sich einen Wecker stellen. Wir haben zu der Zeit noch nicht die ganze Ursprungsgeschichte erfahren oder gefühlt. Wo kommt es her? Das war uns anfänglich gar nicht bewusst. 

Als DJ habe ich nicht irgendwelche Platten nicht gekauft, weil die in einem anderen Lager in Amerika waren. Gute Songs feiere ich und lege sie auf – und die Leute feiern es. In Deutschland lief es generell ähnlich ab wie in den USA. Die Attitüde von Hip Hop ist es, dass es sportlich zugeht. Das heißt, man hat geschaut, was die andere Stadt so treibt, wobei man selbst natürlich viel geiler war. Im Freestyle geht es darum, den anderen runterzumachen und sich selbst hervorzuheben. Das spornt einen immer an, noch einen drauf zu setzen. Wir in Düsseldorf hatten immer die Ironie und den Sarkasmus, man hat den anderen auf eine Art und Weise oberflächlich gedisst, dass der es auch gut fand und man trotzdem miteinander befreundet blieb. Wobei klar war, dass man sich erstmal um sein Lager gekümmert hat.

Tobias Kargoll: Das ist das Kompetitive im Hip Hop, das ich meinte. Das haben wir bei Hiphop.de immer so gelebt. Wenn wir ein Magazin machen, dann das Beste und erfolgreichste. Wenn auf einem Musikfestival vier Magazine Interviews mit denselben Rappern geführt haben, haben wir begonnen, vor Ort zu schneiden und hochzuladen, damit unsere Videos schon online sind, wenn die anderen nach Hause fahren. Das war sportlicher Wettbewerb. 

Nun ist Hip Hop ein Genre, das nicht nur unumstrittene Künstler:innen und Werke hervorbringt, Sexismus, Antisemitismus, Schwulen-Lesben-Feindlichkeiten sind leider an der Tagesordnung. Wie geht Ihr damit um? Gerade für eine journalistische Plattform ist das eine wichtige Frage?
Tobias Kargoll: Die gibt es in der ganzen Gesellschaft, Rap äußert sich nur expliziter. Unabhängig von Provokation und Direktheit als Stilmittel, sind die politischen Einstellungen im Hip Hop divers. Es gibt Progressive und Reaktionäre. Hip Hop ist als Antwort auf Diskriminierung entstanden.

Hip Hop ist aber zum Beispiel auch anti-establishment und für Kunst- und Meinungsfreiheit. Wir verstehen uns als Hip-Hop-Medium für die gesamte Szene, unser Name verpflichtet. Wenn es Sachen gibt, die man inhaltlich ablehnt, dann thematisiert man die eben. Das finde ich besser, als zu versuchen, zu verschweigen, was man nicht haben will. Wir versuchen dabei, unsere Meinung nicht vor uns herzutragen, um Gemeinschaft schaffen zu können. Wir versuchen, Informationen zu übermitteln, Hintergründe zu liefern, aufzuklären und Diskussionen abzubilden.

Jens Heubach: In der Frühzeit war der Hip Hop noch amerikanisch, es gab noch keinen deutschen Rap. Erst Ende der 80er kam man auf den Gedanken, vielleicht mal seine eigene Sprache zu nutzen. In Köln gab es den Blitz Mob, in Düsseldorf Ratingen die Fresh Familee mit „Ahmet Gündüz“, in Stuttgart die Fantastischen Vier mit ihrem ersten Album. Es war spannend zu sehen, wie zeitgleich Leute wie die Fantastischen Vier, das Rödelheim Hartreim Projekt oder Blitz Mob auf deutsch gerappt haben. Es gab damals schnell den Begriff Sellout. Du bist nur credibil, wenn du hart bist. Leute, die eine Platte rausbringen, die einen Deal mit einem großen Label haben, die waren Sellout. Die Fantastischen Vier waren also Sellout.

Es gibt eine schöne Geschichte: 1993 haben wir mit unserem Label-Party-Team Grashopper die X-Mas-Jam veranstaltet mit einem Lineup, das das Who-is-Who der damaligen Zeit repräsentierte. Am Veranstaltungstag bekamen wir einen Anruf vom Management der Fantastischen Vier, die an dem Abend ein Konzert um die Ecke hatten und gerne danach zu unserem Jam kommen wollten, aber Angst hatten, den Haupteingang zu nehmen, weil sie „aufs Maul“ kriegen würden. Wir haben sie dann über den Hintereingang reingeholt. 

Tobias Kargoll: Im Ruhrgebiet wurde das postmaterielle deutsche Hip-Hop-Verständnis, das Jens eben beschrieben hat, lange hochgehalten. Düsseldorf steht vor allem für erfolgreiche Labels wie Banger Musik und Selfmade Records, die sogar Aggro Berlin übertroffen haben. Die waren businessmäßig sehr clever. Bei Hip Hop geht es immer auch darum, Systeme zu verstehen und kreative Wege zu finden, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich zu sein.

Heute ist es gang und gäbe, dass Künstler:innen und Leute mit Ambitionen im Musikbusiness (Labelarbeit, Verlagsarbeit, Management) das als normalen Berufsweg wahrnehmen und angehen. Das war bei Euch damals anders, oder? Könnt Ihr ausmachen, ab wann Ihr es als Option gesehen habt, dass Hip Hop für Euch zum Job werden kann?
Jens Heubach: Für mich persönlich ergab es sich irgendwann, als DJ in Clubs aufzulegen. Ich war der erste Live-DJ der Fresh Familee. Du bist mitgeschwommen. “Du kannst scratchen? Komm mit, wir haben einen Auftritt für dich!“. Wir haben als Grasshopper einen Club gegründet, damit angefangen Konzerte und Jams zu veranstalten, Eintritt zu nehmen und Geld zu verdienen. Man hat sich selbstständig gemacht, hat sich mit Leuten gut verstanden, die dieselbe Gesinnung hatten. Wir waren die ersten, die Hip Hop in Düsseldorf auf die Karte gebracht haben. Im Laufe der Zeit entstanden Businessstrukturen um uns herum, wie Headrush Records, der Groove Attack Vertrieb, oder das Wuppertaler Wu-Tal Kollektiv, die zunächst Jams gemacht haben und ein Label gründeten. Als die ersten deutschen Platten rauskamen, habe ich den klassischen Weg vom DJ zum Produzenten eingeschlagen. Hip Hop ist samplebasiert, man hatte als DJ eine Plattensammlung und über die Plattensammlung hattest du die Samples, man war sowieso immer beatmäßig eingetaktet, was das Handwerk angeht. Ich habe 1997 zusammen mit Kiru L das erste Studio in Düsseldorf Bilk gebaut. 

Tobias Kargoll: Noch bevor Düsseldorf für erfolgreiche Labels stand, stand Düsseldorf für relevante, erfolgreiche Studios, oder?

Jens Heubach: Es gab das Skyline Studio. Es gab das Kling-Klang-Studio von Kraftwerk. Und Headrush und Loop Lab. Sido hat mit „Fuffies im Club“ und „Mein Block“ Düsseldorf auf die Map gebracht – oder Düsseldorf ihn.

Tobias Kargoll: Der große Durchbruch von Kool Savas kam durch seinen Song „King of Rap“ auf dem Album „Full House“ des Düsseldorfer DJs Plattenpapzt. Düsseldorf ist vor allem eine Musikmedienstadt. Zwei Acts von Selfmade Records kamen aus Essen, keiner aus Düsseldorf. Bei Banger Musik waren neben dem Düsseldorfer Farid Bang Acts aus Mönchengladbach, Duisburg und Dortmund gesignt. Düsseldorf ist das Büro des Ruhrgebiets. Hier gibt es Studios, Labels – und Hiphop.de.

Was denkt Ihr, woran es liegt, dass Düsseldorf nie die großen Rapstars (bis auf Farid Bang) hervorgebracht hat wie beispielsweise Berlin, Hamburg, Stuttgart? Die Infrastruktur sollte doch eigentlich als Magnet und Katalysator für lokale Künstler:innen dienen, oder?
Jens Heubach: Gute Frage. Wir haben uns das auch immer gefragt. Wir machen so einen geilen Scheiß… Vielleicht waren die meisten Texte zu „kopflastig“ und niemand konnte (und wollte?) uns folgen. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht erklären. Vielleicht liegt es generell an diesem Bild über Düsseldorf, das deutschlandweit existiert. Wobei man sagen muss, dass wir im Freestyle schon früh auf der Landkarte waren, ob bei „Feuer über Deutschland“ oder bei „Mixery Raw Deluxe“. Die Düsseldorfer Freestyler haben bei den Wettbewerben immer gewonnen, das heißt die Qualität war sehr hoch. Vielleicht fehlte es an dem richtigen Alphatier.

Tobias Kargoll: Ich habe Hip Hop in Düsseldorf anders erlebt – als Erfolgsgeschichte. Wenn man will, kann man eine Linie ziehen von den Freestyle-Erfolgen von Jens‘ Icklack Squad, bis zu den Alben von Kollegah und Farid Bang, die später in Jens‘ ehemaligem Studio aufgenommen wurden. Beides ist im Kern Battlerap, auch wenn die Protagonisten nicht direkt miteinander zu tun hatten und die Attitüde eine andere war. Ich würde Düsseldorfer Rap auch nicht für sich betrachten, sondern als Teil – als Zentrum – von Rap in NRW. Ich bin selbst aus dem Ruhrgebiet hierhin gekommen. Meine Oma hat immer gesagt, „in Düsseldorf wird das Geld verdient, für das wir hier arbeiten“, da schien mir umziehen sinnvoll. Spaß beiseite: Ich wollte Journalist werden – oder Rapstar. Um in die lokale Hip-Hop-Szene zu kommen, bin ich zu den Freestylesessions in der Icklack gegangen. Das war anstrengend – ich kannte keinen und konnte nicht freestylen. Kurz darauf wurde die Icklack Cypher nach vielen Jahren geschlossen, weil es zu häufig zu Schlägereien kam.

Jens Heubach: Das begann ca. 1999. Aus den Leuten, die dort waren, entwickelte sich der Icklack Squad mit bis zu 20 Künstlern. 

Tobias Kargoll: Die Freestyle Cypher wurde von DJ 7ner und Remy Bahndamm im Jugendzentrum TREFF in Bilk fortgeführt. Dort trafen sich dann so unterschiedliche Rapper wie Olsen, Toony, Farid Bang oder der mittlerweile leider verstorbene NMZS von der Antilopen Gang. Alle Erwähnten wurden schließlich bekannte Rapper. Ihr Ausgangspunkt war die Freestyle Tradition, die der Icklack Squad gestartet hatte.

2005 habe ich dann am Rhein Christian Fu Müller und Killa Calles kennengelernt. Remy hat mir später erklärt, dass Fu der Gründer von Hiphop.de ist. Ich bewarb mich um ein Praktikum. An solchen Kleinigkeiten sieht man, welche Bedeutung die Strukturen haben. In Kamen hätte ich Fu wahrscheinlich nicht kennengelernt. In meinen ersten Jahren bei Hiphop.de kamen aus dem Ruhrgebiet neue Rapper, mit deren Musik ich etwas anfangen konnte. Auch aus Lokalpatriotismus war ich oft der erste, der über Rapper wie Snaga & Pillath, PA Sports, KC Rebell, Fard, Manuellsen, Veysel oder auch den Düsseldorfer Farid Bang berichtet hat. 

In Bochum wurde Selfmade Records gegründet, von dem Düsseldorfer Elvir Omerbegovic und Flipstar aus dem Ruhrgebiet. Ihr erster Act war Favorite aus Essen. Noch im ersten Jahr folgte der hochtalentierte Kollegah aus Rheinland-Pfalz, der schließlich auch hierherzog. Diese Generation wurde tonangebend im Deutschrap. Die Rapper kamen größtenteils aus dem Ruhrgebiet, die Labels, die Studios und das Magazin, die für sie wichtig waren, standen in Düsseldorf.

In Düsseldorf entstehen immer wieder sehr erfolgreiche Produktionen, die beispielsweise in den Homeboy Studios von Koree (bürgerlich Daniel Coros) am Worringer Platz entstanden sind – um nur einige Namen zu nennen: Kollegah, Farid Bang, Haftbefehl, Schwester Ewa. Was denkt Ihr, was diese Künstler:innen raus aus den großen Hip-Hop-Metropolen Berlin, Hamburg, Stuttgart nach Düsseldorf zieht?
Tobias Kargoll: Hier gibt es einfach gute Studios und die Künstler haben mehr Ruhe als in ihren Heimatmetropolen. Dadurch, dass wir hier ein paar Strukturen haben, kann auch größeres entstehen. Wir werden immer gefragt, wieso wir nicht nach Berlin ziehen, wie die meisten es tun. Ich mache das aus Prinzip nicht. Für ein paar Jahre war es dann auch wirklich nicht so, dass „alles in Berlin“ abging. Es gab Korees Studio am Worringer Platz, Selfmade Records in der Harkortstraße, Hiphop.de in meiner Wohnung in der Mintropstraße, Banger Musik in der Corneliusstraße. 20 Minuten Fußweg. Al-Gear konnte man in Hassans Friseursalon L’Elegance, gegenüber meiner Wohnung, treffen, Massiv in einer Shisha Bar in der Scheurenstraße. Einmal kam ich aus meiner Haustür und bin in Haftbefehl gerempelt, der zu der Zeit mit DJ Frizzo und dessen Bruder Cönigs Allee sein Album Blockplatin in Düsseldorf aufnahm. Das Zentrum der Deutschrap-Welt lag eine Zeit lang um den Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Was hat dich letztendlich dazu gebracht, dir einen „richtigen Job“ zu suchen?
Jens Heubach: Es war immer eher so, dass Headrush die großen Künstler gemacht hat, ich habe mich um den Nachwuchs und meinen Inner Circle gekümmert, die Kleinen, der Underground sollte zu mir kommen. Also all die, die nicht die Kohle im Background hatten, die kein Management besaßen, das die Studiozeit finanziert hat. Bei den Produktionen, die ich für die Industrie gemacht habe, musste ich feststellen, dass es immer ein Stück weit bedeutete, dass man sich „prostituiert“. Künstler kommen, die eine Idee haben, die man umsetzt – und dann stellt man es dem Geldgeber vor und der will, dass man gewisse Wörter rausstreicht und im Refrain eine Frau singen soll und so weiter. Ich hatte keinen Bock drauf. Es gehört nicht zu Hip Hop, dass dir jemand anderes sagt, wie du deine Arbeit machen sollst. Insofern erschien es mir ratsam, nicht 100 Prozent meiner Zeit und Energie zu investieren. 

Ich war immer technikaffin und habe viele Veranstaltungen in meinem Leben durchgeführt. Es lag nahe, ins Veranstaltungsbusiness zu gehen. Irgendwann hatte ich einen Halbtagsjob bei einer Firma für Medientechnik, womit ich meine Fixkosten decken und nebenher Musik machen konnte – der wurde, wie das so ist, aber irgendwann zum Ganztagsjob. Absurderweise just in dem Moment, wo Selfmade Records nach Düsseldorf zog und sich diverse Produktionen ergeben hätten. Ich habe Koree gefragt, ob er für 3 Jahre (während ich meinen Meister für Veranstaltungstechnik mache) mein Studio und meine Kunden übernehmen möchte. Ein Jahr später hatte er dann mit den Aufnahmen von Kollegah und Farid Bang für „JBG2“ seine erste Goldene Schallplatte bekommen. Ich dachte mir nur: „Toll, ich mache die Scheiße seit 10 Jahren, vermiete mein Studio und ein Jahr später flattert die erste Goldene rein. Musik mache ich aber bis heute. Ich bin mit meinem vierten Studio wieder bei mir zu Hause im Keller angekommen. Ich bin super happy, arbeite nur mit den Leuten zusammen, mit denen ich zusammenarbeiten möchte.

Tobias Kargoll: Fu, dem Gründer von Hiphop.de ging es wie Jens nie um das Geld. Er ist ein Graffiti Writer, ihm ging es um Kreativität, um Kultur, darum, in der Gesellschaft etwas Eigenes, Alternatives aufzubauen. Geld war ein Mittel zum Zweck. 

Als Fu das Magazin für einige Jahre verlassen hatte und es von einem neuen Unternehmen betrieben wurde, bekam ich als Chefredakteur einen knapp vierstelligen Betrag pro Monat, mein Stellvertreter war auf Minijob Niveau, der Rest der Redaktion waren unbezahlte Praktikanten und Freiwillige. Ohne den enthusiastischen Gründer, der alles aus Überzeugung tat, fühlte sich das irgendwann unfair an. Musikjournalismus läuft häufig so: Du findest junge Überzeugungstäter und wenn die mit Ende 20 mehr Geld zum Leben brauchen, müssen sie eben die Branche wechseln. Für mich und einige andere war aber Hip Hop nichts, dass wir nur aus Spaß mal kurz neben dem Studium machen wollten. Ich war auch überzeugt davon, dass das Potential des Magazins größer ist. Schließlich konnte ich ein eigenes Unternehmen gründen, mit dem ich Hiphop.de seitdem betreibe: Die ManeraMedia GmbH. Wir haben begonnen, alle Mitarbeiter zu bezahlen. Gering, aber wir haben geteilt, was reinkam. Irgendwann wollten wir die erste Mitarbeiterin auch über das Studium hinaus halten können und mussten mehr bieten. Heute leben rund 20 Leute von Hiphop.de. Meiner Meinung nach ist das ein Teil von Hip Hop-Kultur: Sich eigene Strukturen aufzubauen und selbst dafür zu sorgen, dass man davon leben kann.

Hiphop.de feiert aktuell den 25. Geburtstag. Wie leicht / schwer empfindet Ihr das Tagesgeschäft im Jahr 2023?
Tobias Kargoll: Es ist immer ein Hustle. Von Hip Hop zu leben ist schwierig. Von Journalismus zu leben ist schwierig, weil Medien in der digitalisierten Welt neue Geschäftsmodelle finden müssen. Wir sind bis heute independent, es gibt keinen großen Verlag hinter uns, der uns zur Not querfinanziert. Die Idee war 2012, Hiphop.de wieder selbst betreiben zu können um frei entscheiden und leben zu können – ich bin dankbar, dass das bis heute funktioniert. Wir sind mittlerweile das reichweitenstärkste, größte musikkulturelle Magazin im deutschsprachigen Raum. 

Unsere Geschichte ist eine Geschichte der Digitalisierung. Fu wollte 1998 eine Plattform für Hip Hop-Kultur schaffen, weil man mit dem Each-One-Teach-One-Gedanken der Hiphop-Kultur über das Internet plötzlich Tausende verbinden konnte.  So entstand auf Hiphop.de unter anderem ein großes Forum, aus dem sich dann das Magazin entwickelte. Neben der Community, waren digitalen Innovationen Fus großer Verdienst. Als mzee.com mit seinem Forum größer geworden war als wir, hat Fu Hiphop.de zur Blog Plattform ausgebaut. Zu der Zeit wusste kaum jemand, was ein Blog überhaupt ist. Die Plattform wurde ein großer Erfolg und Hiphop.de wieder die größte Hip Hop-Website. 

Der Spirit, den Fu Hiphop.de gegeben hat, war immer der einer Plattform. Menschen mit Eigeninitiative können sich als Teil unserer Crew selbstverwirklichen. Unsere Videoberichterstattung ging damit los, dass ich Fu gefragt habe, wieso wir denn nicht auch Videos produzieren? Seine Antwort war „das frage ich auch immer! Mach das!“. Also habe ich mir einen Camcorder besorgt, ihn auf ein Stativ von Aldi gestellt und das nächste Interview aufgezeichnet. So entstanden die typischen Deutschrap Interviews, die später so erfolgreich wurden: 60-minütige, ungeschnittene Gespräche. Das funktioniert, weil Hip Hop von Authentizität lebt. Die Zuschauer wollten das ganze Gespräch sehen, rough und uncut.

Als Fu nicht da war, kam Facebook auf und rapupdate kombinierte den Rap-Boulevardjournalismus, der in unseren Blogs entstanden war, mit Clickbaiting und hatte plötzlich mehr Aufrufe als wir. Deutscher Hip Hop entdeckte YouTube für sich, unser Fokus lag dämlicherweise auf dailymotion und myvideo, plötzlich war 16bars.de erfolgreicher als wir. Also ging es uns darum, wieder die Nummer 1 zu werden.

Wie schreibt man eine Headline so, dass die Leute sie anklicken? Wie macht man das, ohne etwas zu versprechen, das man später nicht hält, so dass die Leute nicht sauer werden und einem Clickbaiting vorwerfen? Wir haben uns das unter Fus Leitung beigebracht und damals unsere Reichweite verdreifacht. Mit Rooz, der später unser großer Star wurde, habe ich nächtelang diskutiert und Pläne geschmiedet, um YouTube zu verstehen und unsere Identität auf der neuen Plattform zu finden. Der Schlüssel war es, die Spielregeln der Plattform zu verstehen und Rooz die Freiheit zu geben, mit seinem Talent, seinem Charisma und seinem der erfolgreichste Rap-YouTuber Deutschlands zu werden. Er hat kein gemachtes Nest vorgefunden, aber einen Baum mit viel Ästen und tiefen Wurzeln, wenn man so will. Immer wieder muss man sich neu in eine sich verändernde Welt dieser Systeme werfen, seinen Weg da darin finden, mit einer Hacker-Mentalität. Wir sind heute vom Umsatz her auf einem ganz anderen Level als früher. Das heißt aber nicht, dass es kein Hustle mehr wäre. Es ist der beste Job der Welt, weil wir Hip Hop lieben und weil wir es im Team machen.  

Ist das Teil der der „Erfolgsformel Hip-Hop“, die Du in Deinem Buch formuliert hast, Tobias? Dass alles geht, wenn man dran glaubt und es konsequent betreibt? Gerade wegen der niedrigen Einstiegsschwelle?
Tobias Kargoll: Das „alles geht“ klingt ein bisschen so, als hätten es in unserer Gesellschaft nicht manche Menschen deutlich schwerer als andere, deshalb wäre ich damit vorsichtig. Aber die niedrige Eingangsschwelle ist der Hauptgrund dafür, dass Hip Hop-Kultur 50 Jahre alt werden konnte. Sie wird von unten nach oben immer wieder neu erfunden. Erfolgreiche Labels und Medien können nicht anderen die Tür zuhalten, weil die dann ihr eigenes Haus bauen würden. Du hast damals auch alles selbst gemacht, Jens: ein Studio aufgebaut, Cover designt, Platten herausgebracht, Konzerte organisiert. 

Jens Heubach: Ging nicht anders, hat ja sonst keiner für einen gemacht. 

Tobias Kargoll: Das ist Hip-Hop-Spirit.


Bitte nennt uns abschließend die für Euch aussagekräftigsten oder wichtigsten 10 Hip-Hop-Veröffentlichungen mit Düsseldorf-Bezug!

Jens Heubach
Fresh Familee | „Ahmet Gündüz“
Ich war Ende der 1980er bei den ersten Auftritten im Jugendclub von Ratingen als DJ mit dabei. Die ersten Aufnahmen der Gruppe wurden bei Romano Granderath im Zollhof im Düsseldorfer Hafen gemacht. „Ahmet Gündüz“ gilt als erste in Deutschland gepresste Rap-Produktion in deutscher Sprache, sie haben mit dem Stück die Lebenswirklichkeit türkischer Migranten aus seiner Sicht abgebildet. 

Grasshoppa | „Düsseldorf lebt!“
Für diesen Sampler wurden 1993 Bands per Aufruf gesucht. Realisiert wurde das Projekt von der Grasshoppa Crew (2-Fresh-T, DJ Jenz & Babak) und D-Tex-Law. Die Compilation umfasst zehn Songs, inklusive einem DJ-Track von 2-Fresh-T und einem Allstar-Track mit allen Künstlern. D-Tex-Law, Konstruktive Kritik, Da 2 Hype X, DJ Jenz & ESKA (dem Düsseldorfer Beatbox Urgestein), Die Geächteten Propheten, Personal Statement und Plattenpapst Jöak & Padi zeigten damals, dass Düsseldorf lebt!

D-Tex-Law | „Die Urbane Kultur“ 12“
In den frühen 90ern tourte ich als Live-DJ mit dem MC D-Tex-Law mit den Flying Steps und BMXern auf den populären Adidas Streetball Turnieren durch Europa. Der Düsseldorfer Rapper D-Tex-Law, ursprünglich Mitglied des Rap Duos C.U.S., konnte bereits auf eine mehrjährige Rap-Karriere mit dem legendären Blitz Mob verweisen. Bei der Gelegenheit produzierte ich den Song „Die Urbane Kultur“, der unseren Lifestyle auf Tour gut beschreibt; er wurde 1996 auf Bassment Records veröffentlicht.

Killa Calles | „Düsseldorfs Finest“ 12“
Der Oberbilker Hip Hop-Artist und Mitgründer des Icklack Squads teilt sich nicht nur das Studio mit Jesen und Simmel von Nimzwai, sondern die Rap-Parts auf diesem Meisterwerk. Die erste Scheibe, die ich Anfang 2000 in meinem ersten Tonstudio (BilkBass) aufgenommen und gemischt habe. Viel besser kann man in meinen Augen einen dopen Rap-Song (mit Musikvideo) über Düsseldorf nicht machen.

Icklack Squads | „Icklack & Leder“
Ab 1999 trafen sich Rapper, DJs, Maler, Breaker und Freunde jeden Donnerstagabend zum Freestylen im Düsseldorfer Jugendzentrum „Icklack“. Später formierte sich aus 19 Rappern, fünf Djs, sechs Produzenten und dem Gründer Fu von Hiphop.de der „Icklack Squad“. Neben den Jungs von Millionadi, Nimzwai und Killa Calles waren auch Kaelimetz, MC Pitza, Cyko MC, Konpro, Der Partner, Kilo Meta, Natif, Moppel Deep, Velbert Hartkörper, Tiny und Lenny mit im Squad. Erstes Release vom Icklack Squad war 1999 das Freestyle Tape „Aus den Kellern ins Penthouse“, aufgemischt im BilkBass Studio. Es folgten 2001 die Tapes “Alte Scheiße“, auf dem alte Demo-Tracks des Squads zusammen gestellt wurden und 2003 das erste Studio Album „Aktion Mutante“. 2005 das Album „Icklack & Leder“, auf dem wir in der typisch rheinischen Art sämtliche politische Korrektheit über Bord geworfen haben. 

Millionadi | „Watt denn ?!?“ 
Anfang 2000 formierte sich die Band Millionadi aus den MCs Million und Adi, DJ Cebu und dem Produzenten Benz Reibach. Mit dieser Maxi Single auf dem Wu-Tal Label begann eine steile Karriere für Millionadi. 

Nimzwai „Wir sind wie“ 12“
Das ist die zweite Maxi-Single der zwei Freestyle MCs Jesen und Simmel. 2001 gewann Jesen das „Mixery Raw Deluxe Freestyle Battle“. Als Preis gab es Studiozeit zum Aufnehmen und Mischen in den legendären D&D Studios und mastern bei Masterdisk in New York. Wir hatten die glorreiche Idee, die Studiozeit besser zu nutzen und haben drei Songs im BilkBass Studio aufgenommen und die Acapellas auf Mehrspur Tapes mit nach New York genommen. So ist diese 12“ entstanden.

Millionadis Adi „Adinalin“ 
2006 gründete ich zusammen mit DJ Cebu das Produzententeam „Trommelfellaz“. Unsere erste Produktion war das grandiose Debütalbum von Millionadis Adi, „Adinalin“, welches 2008 über Release Records erschien. Nachdem Jesen seine Freestyle Skillz bereits deutschlandweit unter Beweis stellen konnte, überzeugte Adi auf den „Feuer über Deutschland“ DVDs. Durch seinen immensen Output war ein Soloalbum nur die logische Konsequenz. Adi und die Trommelfellaz repräsentierten mittlerweile die neue Düsseldorfer Super-Group „Der Neue Westen“. 

Der neue Westen „Was weißt du vom Westen“
Im Laufe der Zeit vergrößerte sich das Netz von Produzenten, Studios, Rappern und DJs in Düsseldorf und es bildeten sich neue Freundschaften, Interessen und Ziele. So entstand „Der Neue Westen“ mit den Produzenten Don Tone (LoopLab), Loggarizm (Loggarizm Studio), Trommelfellaz (BilkBass), den MCs Million, Adi, Jesen, Melsche, Flaze, Sam Kasam, Mr. Micro, Koree sowie DJ Supastrange und DJ Cebu. Später vergrößerte sich die Gruppe und die Treue zur Fortuna 95 Düsseldorf. Es folgten weitere Veröffentlichungen, wie „Eine Heimat Eine Liebe“ (2009) und „Westen Jargon“ (2010). Ich baute am Worringer Platz mein neues BilkBass Studio, in das ich 2002 einzog.

Michelmann Bass | „…nochmal“ 12“ 
Diese Platte hat für mich einen besonderen Wert, da ich die Vocals 1998 mit einem Atari in meiner schalldichten Küche aufgenommen habe. Michelmann aus Willich war der erste Produzent, der Miami Bass und Partyschlager auf Deutsch gemacht hat. Ich habe seitdem viele Veröffentlichungen von Michelmann im Studio begleitet

Tobias Kargoll
BTM-Squad | „Nimm Dir An Uns Kein Beispiel“ (2005)
Die Straßenrap-Urgesteine der Stadt. BTM-Squad waren die Wegbereiter für Rapper wie Al-Gear und Farid Bang. Ich würde den Crew Song „Nimm Dir An Uns Kein Beispiel“ von 2005 nennen, den Song „Düsseldorf“ von Joel K. (2006) und das politische Straßenrapalbum „Nie erschienen“ von Nabil M. (2006). Haben aka Habesha, einer der Rapper vom BTM-Squad, hat später mit Leuten wie seinem Cousin Afrob oder auch Haftbefehl Songs veröffentlicht und in der SWR Serie „Patchwork Gangsta“ die Hauptrolle gespielt.

Kollegah & Farid Bang | „Jung, brutal, gutaussehend“
Die berüchtigte Trilogie war entscheidend für die Karriere des Derendorfers Farid Bang und des zugezogenenen Kollegah. Vor allem auf dem ersten Album wirkte der Kontrast der beiden: Mit einem Bein auf der Straße und einem im Germanistikstudium, mischte das Duo Wortwitz, Provokation, Humor, Aggression und Machismo. Die Alben erschienen über das Düsseldorfer Label Selfmade Records, mit Banger Musik etablierte Farid Bang parallel ein eigenes Powerhouse.

nikan | „chelsea“ (2009)
Der Düsseldorfer Nikan gehört zu den Shooting-Stars der neuen Deutschrap Generation – ähnlich wie übrigens Pajel aus Neuss. Der House-Beat von „chelsea 2009“ stammt vom Düsseldorfer Produzenten Alexis Troy, Mix & Master von Kingsize, der lange in Korees Homeboy Studios (ehemals Bilk Bass Studios) am Worringer Platz arbeitete. Koree, Kingsize und Alexis Troy waren eine Zeit lang gemeinsam als United Hustlers aktiv.

Beslik Meister | „Trotzdem“
Beslik gehört zur neusten Deutschrap-Generation. Er ist Teil der Bolo Boys um Superstar Makko und der stärksten Bewegung zurzeit: Der „New Wave“. Einflüsse aus Skateboarding und Punk, Techno Beats, Rock-Anleihen, Underground Attitüde ohne Angst vor Pop-Balladen, jede Menge Hedonismus.

NMZS | „Der Ekelhafte“
NMZS kannte ich flüchtig von den Freestyle Sessions in der Icklack und im Treff. Ich habe mal gehört, wie Adi von Millionadi zu jemandem sagte „NMZS ist der Einzige von den Kids, der Talent hat“. Leider nahm sich NMZS 2013 das Leben. Seine Crew, die Antilopen Gang, unterschrieb später einen Labelvertrag bei den Toten Hosen. Als Gruppe standen sie 2017 auf Platz 1 der Albumcharts, Danger Dan wiederholte das mit seinem letzten Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“.

Plattenpapzt ft. Kool Savas | „King Of Rap“
Den ganz großen Druchbruch hatte der Vater des Berliner Raps gemeinsam mit dem Düsseldorfer DJ Plattenpapzt. Dessen Album „Full House“ war ein deutschlandweiter Erfolg. King of Rap schrieb Deutschrap-Geschichte. Produziert und recordet wurde der Song von Roe Beardie, der mit Headrush eins der wichtigsten Studios Deutschlands betrieb.

Blumio | „Meine Lieblingsrapper“
Blumio war bei L-Records gesignt, dem Label des Betreibers des Looplab Studios. Don Tone hat dort die erfolgreichsten deutschen Acts aufgenommen: Sido, Fler, Eko Fresh, Kool Savas, Samy Deluxe, Snaga & Pillath. Entsprechend viele Rapper hat Blumio hautnah erlebt. In „Meine Lieblingsrapper“ hat er viele von ihnen persifliert.

JayJay | „Knüppel Klopp“
Das muss man nennen, weil der Song die Düsseldorfer 40 Räuber und Der Neue Westen repräsentiert. Und JayJay rappt Düsseldorfer Platt. Electro Rap wurde Deutschlandweit nicht besser gemacht. 

Farid Bang | „Ich bin Düsseldorf“
Der erfolgreichste Düsseldorfer Rapper stellte sich damals mit Songs wie diesem vor. Reihenweise Beleidigungen, an den Berliner Fler ebenso wie an Juelz Santana aus Harlem oder den erfolgreichen Düsseldorfer Produzenten Loggarizm. „Nur Spaß“ war das nie, aber um Farid Bang zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, dass seine Karriere im Jugendzentrum TREFF auf der Suitbertusstraße mit Battle Rap begann.

257ers | „Mikrokosmos“
Eins von etlichen Alben, die mehr mit Düsseldorf zu tun haben, als man denkt. Das erfolgreichste Album der Essener („Holz“, „Holland“), produziert vom Düsseldorfer Alexis Troy, aufgenommen am Worringer Platz bei Koree, erschienen bei Selfmade Records, die damals in der Harkortstraße saßen.

Haftbefehl | „Blockplatin“
Eine Zeit lang lebte auch Haftbefehl in Düsseldorf: Am Medienhafen. Der Düsseldorfer DJ Frizzo nahm die Platin-Seite des Doppelalbums Blockplatin auf. Frizzo und sein Bruder Cönigs Allee produzierten auch einen großen Teil des Albums. Aktuell begleitet Frizzo Haftbefehl als DJ.

Vielen Dank!

English version:

Düsseldorf is not considered the Hip Hop office of the Ruhr area without reason. For more than three decades, the city has been home to a vibrant Hip Hop scene that operates independently and full of creativity. Based on the celebrations of the 50th anniversary of Hip Hop as a genre, we sat down with Jens Heubach and Tobias Kargoll, two central Düsseldorf protagonists from different generations, at the THE DORF roundtable, which is suitably located in the office of Hiphop.de. The magazine turns 25 this year.


Tobias „Toxik“ Kargoll
Music journalist, media manager, presenter and since 2012 Hiphop.de publisher (under the umbrella of his company ManeraMedia GmbH). He was a lecturer in digital publishing at Heinrich Heine University and published the book „Erfolgsformel Hip-Hop“ with Phillip Böndel at Campus Verlag in 2021. 

Favourite album: All Eyez On Me – 2Pac
Best rap album: Illmatic – Nas
Best rap song: Shook Ones, Pt. II – Mobb Depp
Favourite mixtape: Crooklyn Cuts Vol. III (Tape A) – DJ Premier


Jens Heubach
Has been one of the country’s Hip Hop activists since the early 1990s as DJ Jenz and producer (under the stage name Benz Reibach, among others). His (back)catalogue includes labels (Grasshoppa, KillBiff Entertainment), a Hip Hop shop (g-hoppa), clubs (GEE-Club) and studios (BilkBass); in addition to his own productions, he has been responsible for recordings (for Wu-Tal Records, among others) for artists such as Millionadi, Nimzwai, DNF, UGS, DNW, Selfmade Records, Asphaltliteraten and Icklack Squad. Jens Heubach currently works as a project manager at Düsseldorf Congress GmbH. 

Favourite album: People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm – A Tribe Called Quest
Most important album: He’s the DJ, I’m the Rapper – DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince (It was the first double vinyl album in Hip Hop in 1988 and it taught me how to scratch.) 


What was your first encounter with Hip Hop?
Jens Heubach: My father was very tech-savvy, so I had a tape machine and record player, which is how I started recording mixtapes on the radio – and “I Need A Beat” by LL Cool J was playing. At that time, I didn’t know what kind of music it was. I didn’t know the name Hip Hop yet. Those were the days when you listened to cassettes for weeks on the way to school with your Walkman, the same things over and over again.

Tobias Kargoll: When I was 13, I was in L.A. with my parents and there were advertising posters of 2Pac’s album “All Eyez On Me” everywhere. I bought the album, celebrated it and then bought more albums from him whenever I had enough pocket money. Then I continued with Snoop Doggy Dogg because he was feature guest on Tupac’s albums. Until my basketball coach recommended Ice-T to me. It went on and on like that.

What does Hip Hop have that other music styles don’t? What makes the culture so appealing to
Tobias Kargoll: You can get close to the question of what makes Hip Hop work by looking at how the culture originated in the Bronx. In the 70s, New York was broke. Burnt-out cars in the streets, houses were empty. There was the so-called “white flight”: everyone who could afford it moved away. Due to racist and classist structures in society, those who couldn’t afford it were blacks and Puerto Ricans. In neighbourhoods like the Bronx, you had little chance of advancement, but right in front of your eyes, other people were doing better. You saw it on TV and on advertising posters, a few underground stops away was rich Manhattan. Inaccessible, right under your nose.

This contrast, which also exists in our society today, generated the energy from which Hip Hop emerged. It started with graffiti: people paint their names on walls with paint cans. You can hardly make it clearer that you want to overcome marginalisation. You can invent yourself in Hip Hop art forms, you create your own art figure. This also appeals to young people who are not affected by discrimination. Despite all the individualism, there have been break-dance crews, graffiti crews and rap crews in Hip Hop from the beginning. You create a close circle of friends as a substitute family, in the same way and for the same reasons that street gangs do.

Together you are stronger. That also appealed to me. Loyalty and long friendships are as important to me as I find myself in the urge to express myself. Then there is the competitive aspect: Hip Hop is competition. You paint against each other, dance against each other, rap against each other, DJs dj against each other. And last but not least, its own kind of autonomy-oriented entrepreneurial spirit. To make it from the bottom up against all odds, to build something on one’s own. Hip Hop means: If I can’t get into a club in Manhattan, I start my own party in the Bronx with my friends and invent a new style of music in the process. This spirit, from which DJ Kool Herc created Hip Hop 50 years ago, still drives the culture today.

The market was clear at the beginning, which made it easier to develop an identification with a community. But then there were also fractures between the Hip Hop camps. How did you perceive the community that formed around you?
Tobias Kargoll: Today it’s more diverse. Hip Hop spans four generations. The different art forms have evolved, not everyone who paints graffiti has to listen to rap. Within rap there are different currents. If you compare Beslik Meister and Farid Bang within Düsseldorf: they represent different generations and currents. Beslik is a young New Wave rapper, it’s about escapism, hedonism, techno beats, punk attitude and the homie rides a skateboard. Farid Bang is about competition, battle rap with dirty humour, but also about war with society, provocation and taking your piece of the pie against the odds. One person parties the night away on drugs and celebrates how beat up he looks, the other does fitness and wears Prada. But the tendencies share the same Hip Hop DNA.

Jens Heubach: When it first spilled over here, there was no media to inform us. There was no Viva, there was no MTV, there were three or four channels – and one night at 1 a.m. on Tele 5 a few music videos, you had to set an alarm clock. We didn’t experience the whole origin story at that time. The attitude of Hip Hop is that it’s sporting. That means you checked out what other cities were doing, whereas you were much more awesome yourself, of course. Freestyle is about putting the other person down and making yourself stand out. That always spurs you on to go one better. In Düsseldorf, we always had irony and sarcasm, and we would make fun of the other person in such a superficial way that the others thought it was good, and we remained friends with each other. Whereby it was clear that you first took care of your own camp.

Tobias Kargoll: That’s the competitive thing in Hip Hop that I meant. That’s how we’ve always lived it at Hiphop.de. When we make a magazine, we make the best and most successful one. If four magazines did interviews with the same rappers at a music festival, we started editing and uploading on the spot so that our videos would already be online when the others went home. That was sporting competition.

Hip Hop is a genre that does not only produce uncontroversial artists and works; sexism, anti-Semitism and homophobia are unfortunately the order of the day. How do you deal with this? This is an important question, especially for a journalistic platform?
Tobias Kargoll: It exists in all of society, rap just expresses itself more explicitly. At a time when there is a greater sensitivity to discriminatory language, this triggers discussions and stirs up criticism. Regardless of provocation and directness as a stylistic device, political attitudes in Hip Hop are diverse. There are progressives and reactionaries. Hip Hop came into being as a response to discrimination and, in my opinion, must be against homophobia, transphobia and sexism.

But Hip Hop is also anti-establishment and for freedom of art and expression, for example. We see ourselves as a Hip Hop medium for the whole scene, our name is a commitment. If there are things that we reject in terms of content, then we address them. I think that’s better than trying to keep quiet about what you don’t want. We try not to parade our opinions in front of us to be able to create community. We try to convey information, provide background information, enlighten, and reflect discussions.

Jens Heubach: In the early days, Hip Hop was still American, there was no German rap yet. It was only at the end of the 80s that people had the idea of maybe using their own language. In Cologne there was Blitz Mob, in Düsseldorf Fresh Familee with “Ahmet Gündüz”, in Stuttgart the Fantastischen Vier with their first album. It was exciting to see how people like Die Fantastischen Vier, the Rödelheim Hartreim Projekt or Blitz Mob were rapping in German at the same time. At that time there was quickly the term sellout. You’re only credible if you’re hard. People who put out a record, who had a deal with a big label, they were a sell-out. So Die Fantastischen Vier were a sell-out.

There’s a nice story: in 1993 we did the X-Mas Jam with our label party team Grasshoppers with a lineup that represented the who’s who of that time. On the day of the event, we got a call from the management of Die Fantastischen Vier, who had a concert around the corner that night and wanted to come to our jam afterwards but were afraid to take the main entrance because they would get in trouble. So we got them in through the back entrance. Of course they were safe.

Tobias Kargoll: In the Ruhr area, the post-material German understanding of Hip Hop has been upheld for a long time. Düsseldorf stands above all for successful labels like Banger Musik and Selfmade Records, which even sur- passed Aggro Berlin. They were very clever business-wise. Hip Hop is always about understanding systems and finding creative ways to be successful even with lesser means.

Today it is common for artists and people with ambitions in the music business (label work, publishing work, management) to perceive and approach it as a normal career path. That was different for you back then, wasn’t it? Can you tell at what point you saw it as an option that Hip Hop could become a job for you?
Jens Heubach: For me personally, it came about at some point to DJing in clubs. I was the first live DJ of the Fresh Familee. “You can scratch? Come on, we’ve got a gig for you!”. We started a club as Grasshoppers, started putting on gigs and jams, taking admission and making money. You made your own way, got along well with people who had the same mindset. We were the first to put Hip Hop on the map in Düsseldorf. Over time, business structures grew up around us, like Headrush Records, publishing company Groove Attack, or the Wuppertal-based Wu-Tal Collective, who first did jams and founded a label. When the first German records came out, I took the classic path from DJ to producer. Hip Hop is sample-based, as a DJ you have a record collection and through the record collection you have the samples, you were always beat-based anyway. I built the first studio in Düsseldorf Bilk together with Kiru L in 1997.

Tobias Kargoll: Even before Düsseldorf stood for successful labels, Düsseldorf stood for relevant, successful studios, right?

Jens Heubach: There was the Skyline Studio. There was the Kling-Klang Studio by Kraftwerk. And Headrush and Loop Lab. Sido put Düsseldorf on the map with “Fuffies im Club” and “Mein Block” – or Düsseldorf him.

Tobias Kargoll: Kool Savas‘ big breakthrough came with his song „King of Rap“ on the album „Full House“ by Düsseldorf DJ Plattenpapzt. Düsseldorf is above all a music media city. Two acts from Selfmade Records came from Essen, none from Düsseldorf. At Banger Musik, acts from Mönchengladbach, Duisburg and Dortmund were signed alongside Düsseldorf ’s Farid Bang. Düsseldorf is the office of the Ruhr area. There are studios, labels – and Hiphop.de here.

What do you think the reason is that Düsseldorf has never produced the big rap stars (except for Farid Bang) like Berlin, Hamburg, Stuttgart, for example? The infrastructure should serve as a magnet and catalyst for local artists, shouldn’t it?
Jens Heubach: Good question. We have always asked ourselves that. We do such cool shit… Maybe most lyrics have been too “top-heavy” and no one could (and wanted to?) follow us. I honestly can’t explain it to myself. Maybe it’s because of this image of Düsseldorf that exists all over Germany. Whereby it must be said that we were on the map early on in freestyle, whether it was with „Feuer über Deutschland“ (“Fire over Germany”) or with “Mixery Raw Deluxe Freestyle Battle”. The Düsseldorf freestylers always won at the competitions, which means the quality was very high. Maybe there was a lack of the right alpha dog.

Tobias Kargoll: I experienced Hip Hop in Düsseldorf differently – as a success story. You can draw a line from the freestyle successes of Jens’ Icklack Squad to the albums by Kollegah and Farid Bang, which were later recorded in Jens’ former studio. Both are battlerap at its core, even if the protagonists didn’t have anything to do with each other directly and the attitude was different. I wouldn’t consider Düsseldorf rap on its own, but as part – as the centre – of rap in NRW.

I came here from the Ruhr area. My grandma always said, “Düsseldorf is where the money is made we work for”, so it seemed to make sense to me to move. All joking aside: I wanted to be a journalist – or a rap star. To get into the local Hip Hop scene, I went to the freestyle sessions in the Icklack. That was exhausting – I didn’t know anyone and I couldn’t freestyle. Shortly afterwards, the Icklack Cypher was closed after many years because there were too many fights.

Jens Heubach: That started around 1999. The Icklack Squad developed out of the people who were there, with up to 20 artists.

Tobias Kargoll: The Freestyle Cypher was continued by DJ 7ner and Remy Bahndamm at the TREFF youth centre in Bilk. Rappers as diverse as Olsen, Toony, Farid Bang and the now sadly deceased NMZS from the Antilopen Gang met there. All those mentioned eventually became well-known rappers. Their starting point was the freestyle tradition started by the Icklack Squad.

Then in 2005 I met Christian Fu Müller and Killa Calles on the Rhine. Remy Bahndamm later explained to me that Fu was the founder of Hiphop.de. I applied for an internship. You can see the importance of structures from little things like that. I probably wouldn’t have met Fu in the city of Kamen. In my first years at Hiphop.de, new rappers came from the Ruhr area whose music I could relate to. Also out of local patriotism, I was often the first to report on rappers like Snaga & Pillath, PA Sports, KC Rebell, Fard, Manuellsen, Veysel or even Düsseldorf ’s Farid Bang.

Selfmade Records was founded in Bochum by Elvir Omerbegovic from Düsseldorf and Flipstar from the Ruhr area. Their first act was Favorite from Essen. In the first year, the highly talented Kollegah from Rhineland-Palatinate followed, who eventually moved here as well. This generation set the tone in German rap. Most of the rappers came from the Ruhr area, and the labels, studios and magazine that were important to them were in Düsseldorf.

In Düsseldorf, very successful productions are created time and again, for example in Koree’s (real name Daniel Coros) Homeboy Studios on Worringer Platz – to name just a few names: Kollegah, Farid Bang, Haftbefehl, Schwesta Ewa. What do you think draws these artists from the big Hip Hop metropolises Berlin, Hamburg, Stuttgart to Düsseldorf?
Tobias Kargoll: There are simply good studios here and the artists have more peace and quiet than in their home metropolises. The fact that we have structures here means that bigger things can be created. We are always asked why we don’t move to Berlin, as most people do. I don’t do that on principle. For a few years it really wasn’t the case that “everything was happening in Berlin”. There was Korees’ Studio on Worringer Platz, Selfmade Records on Harkortstraße, Hiphop.de in my flat on Mintropstraße, Banger Musik on Corneliusstraße. 20 minutes walk. Al-Gear could be met at Hassan’s hair salon L’Elegance, opposite my flat, Massiv at a shisha bar on Scheurenstraße. Once I came out of my front door and bumped into Haftbefehl, who was recording his album “Blockplatin” in Düsseldorf at the time with DJ Frizzo and his brother Cönigs Allee. The centre of the Deutschrap world was around Düsseldorf ’s main station for a while.

Jens, what finally made you look for a „real job“?
Jens Heubach: It was always the case that Headrush did the big artists, I took care of the newcomers and my inner circle, the little ones, the underground were to come to me. So all those who didn’t have the money in the background, who didn’t have a management that financed the studio time. With the productions I did for the industry, I had to realise that it mostly meant “prostituting yourself ” to some extent. Artists come in with an idea, you implement it – and then you present it to the financier, and they want you to cut out certain words and have a woman sing in the chorus and so on. I wasn’t into it. It’s not part of Hip Hop to have someone else tell you how to do your work. In that regard, it seemed like a good idea not to invest 100 per cent of my time and energy.

I have always been tech-savvy and have done many events in my life. It seemed obvious to go into the event business. At some point I had a part-time job with a media technology company, which allowed me to cover my fixed costs and play music on the side – but as it happens, it became a full-time job at some point. Absurdly, just at that moment when Selfmade Records moved to Düsseldorf and various productions would have come up. I asked Koree if he would like to take over my studio and my clients. A year later he got his first gold record with the artists of Selfmade Records. I just thought: “Great, I’ve been doing this shit for 10 years, rent out my studio and a year later the first gold flutters in. But I’m still making music today. I’ve come back to my home in the basement with my fourth studio. I’m super happy, I only work with the people I want to work with.

Tobias Kargoll: Fu, the founder of Hiphop.de, like Jens, was never about the money. He is a graffiti writer, he was about creativity, about culture, about building something original, alternative in society. Money was a means to an end. Also, when Fu left the magazine for some years and it was run by another company, I was paid a thousand Euros a month, my deputy was on a mini-job level, the rest of the editorial staff were unpaid interns and volunteers. Then, without the enthusiastic, self sacrificing founder, it started to feel unfair. Music journalism often works like that: you find young believers and when they need more money to live on in their late 20s, they have to change industries. But for me and some others, Hip Hop was not something we wanted to do just for fun while studying. I was also convinced that the potential of the magazine was greater. Finally, I was able to found my own company with which I have been running Hiphop.de ever since: ManeraMedia GmbH. We started paying all the staff. Low, but we shared what came in. At some point we wanted to be able to keep the first employee beyond her studies and had to offer more. Today, about 20 people make a living from Hiphop.de. In my opinion, that’s part of Hip Hop culture: building your own structures and making sure you can make a living from it.

Hiphop.de is currently celebrating its 25th birthday. How easy/difficult do you find the daily business in 2023?
Tobias Kargoll: It’s always a hustle. To live from Hip Hop is difficult. To live from journalism is difficult too because media must find new business models in the digitalised world. We are independent to this day, there is no big publisher behind us to cross-finance us in case of need. The idea in 2012 was to be able to run Hiphop.de ourselves again in order to be able to decide and live freely – I am grateful that this still works today. We are now the largest music culture magazine in the German-speaking world with the widest reach.

Our history is a history of digitalisation. Fu wanted to create a platform for Hip Hop culture in 1998, because with the each-one-teach-one idea of Hip Hop culture, you could suddenly connect thousands via the internet. This is how Hiphop.de came into being, among other things, a large forum, which then developed into the magazine. In addition to the community, digital innovations were Fu’s great merit. When mzee.com and its forum became big- ger than us, Fu expanded Hiphop.de into a blog platform. At the time, hardly anyone knew what a blog even was. The platform became a great success and Hiphop.de became the biggest Hip Hop website again.

Our video coverage started when I asked Fu why we don’t produce videos? His answer was “I wonder that too. Do that!”. I got myself a camcorder, put it on a tripod from Aldi and recorded the next interview. That’s how the typical Deutschrap interviews that later became so successful came about: 60-minute, uncut conversations. That works because Hip Hop thrives on authenticity. Viewers wanted to see the whole conversation, rough and uncut. With our presenter Rooz, who later became our big star, I spent nights discussing and making plans to understand YouTube and find our identity on the new platform. He didn’t find a made nest, but a tree with a lot of branches and deep roots, if you will. Again and again, you have to throw yourself into a changing world of these systems, find your way in there, with a hacker mentality. In terms of turnover, we are on a completely different level today than we used to be. But that doesn’t mean it’s not a hustle anymore. It’s the best job in the world because we love Hip Hop and because we do it as a team.

Is that part of the Erfolgsformel Hip-Hop („Success Formula Hip-Hop“) that you speak about in your book, Tobias? That anything goes if you believe in it and do it consistently? Precisely because of the low entry threshold?
Tobias Kargoll: The“anything goes”sounds a bit as if some people in our society don’t have it much harder than others, so I would be careful with that. But the low entry threshold is the main reason Hip Hop culture has been able to live for 50 years. It is constantly being reinvented from the bottom up. Successful labels and media can’t shut the door on others because they would then build their own house. You did everything yourself back then, Jens: built a studio, designed covers, released records, organised concerts.

Jens Heubach: There was no other way, no one else did it for you. 

Tobias Kargoll: That’s the Hip Hop spirit.


Please name the most meaningful or important Düsseldorf-related Hip Hop releases for you and tell us why.

Jens Heubach
Fresh Familee | „Ahmet Gündüz“
I was there as a DJ at the first gigs in the youth club in Ratingen at the end of the 1980s. The first recordings of the group were made at Zollhof in Düsseldorf harbour. Ahmet Gündüz is the first rap production in German pressed in Germany; with this piece they depicted the reality of life of Turkish migrants from his point of view.

Grasshoppa | „Düsseldorf lebt!“
For this sampler, bands were sought by call in 1993. The project was realised by the Grasshoppa Crew (2-Fresh-T, DJ Jenz & Babak) and D-Tex-Law. The compilation comprises ten songs, including a DJ track by 2-Fresh-T and an all-star track with all artists. D-Tex-Law, Konstruktive Kritik, Da 2 Hype X, DJ Jenz & ESKA (the Düsseldorf Beatbox pioneer), Die Geächteten Propheten, Personal Statement and Plattenpapst Jöak & Padi showed back then that Düsseldorf lives!

D-Tex-Law | „Die Urbane Kultur“ 12“
In the early 90s, I toured Europe as a live DJ with MC D-Tex-Law with the Flying Steps and BMXers at the popular Adidas Streetball tournaments. The Düsseldorf rapper D-Tex-Law, originally a member of the rap duo C.U.S., could already point to a rap career of several years with the legendary Blitz Mob. On that occasion, I produced the song Die Urbane Kultur, which describes our lifestyle on tour well; it was released on Bassment Records in 1996.

Killa Calles | „Düsseldorfs Finest“ 12“
The Oberbilk Hip Hop artist and co-founder of the Icklack Squad not only shares the studio with Jesen and Simmel from Nimzwai, but also the rap parts on this masterpiece. The first record I recorded and mixed in my first recording studio BilkBass in early 2000. In my eyes, you can’t do a dope rap song (with music video) about Düssel- dorf much better than this.

Icklack Squads | „Icklack & Leder“
From 1999 onwards, rappers, DJs, painters, breakers and friends met every Thursday evening to freestyle at the Düsseldorf youth centre “Icklack”. Later, 19 rappers, five DJs, six producers and Hiphop.de founder Fu formed the “Icklack Squad”. Besides the guys from Millionadi, Nimzwai and Killa Calles, Kaelimetz, MC Pitza, Cyko MC, Konpro, Der Partner, Kilo Meta, Natif, Moppel Deep, Velbert Hartkörper, Tiny and Lenny were also in the squad. The first release from the Icklack Squad was the freestyle tape “Aus den Kellern ins Penthouse” (From the Cellars into the Penthouse) in 1999, mixed in the BilkBass Studio. This was followed in 2001 by the tapes “Alte Scheiße” (Old Shit), on which old demo tracks of the squad were compiled, and in 2003 by the first studio album “Aktion Mutante” (Mutant Action). In 2005 the album “Icklack & Leder”, on which we threw all political correctness overboard in typical Rhenish style.


Tobias Kargoll
BTM-Squad | „Nimm Dir An Uns Kein Beispiel“ (2005)
The city’s street rap legends. BTM-Squad paved the way for rappers like Al-Gear and Farid Bang. I would name the Crew song Nimm Dir An Uns Kein Beispiel from 2005, the song Düsseldorf by Joel K. (2006) and the political street rap album Nie erschienen by Nabil M. (2006). Haben aka Habesha, one of the rappers from the BTM Squad, later released songs with people like his cousin Afrob or also Haftbefehl and played the main role in the SWR series “Patchwork Gangsta”.

Kollegah & Farid Bang | „Jung, brutal, gutaussehend“
The infamous trilogy was decisive for the careers of the Derendorfer Farid Bang and the moved-in Kollegah. Especially on the first album, the contrast of the two worked: with one foot on the street and one in German studies, the duo mixed wordplay, provocation, humour, aggression and machismo. Their albums were released on the Düsseldorf label Selfmade Records, and Farid Bang established his own powerhouse in parallel with Banger Musik.

nikan | „chelsea“ (2009)
Nikan from Düsseldorf is one of the shooting stars of the new German rap generation – just like Pajel from Neuss. The house beat of Chelsea 2009 comes from Düsseldorf producer Alexis Troy, mixing & mastering by Kingsize, who worked for a long time in Koree’s Homeboy Studios (formerly Bilk Bass Studios) on Worringer Platz. Koree, Kingsize and Alexis Troy were active together for a while as United Hustlers.

Beslik Meister | „Trotzdem“
Beslik belongs to the newest generation of German rap. He is part of the Bolo Boys around superstar Makko and the strongest movement at the moment: the “New Wave”. Influences from skateboarding and punk, techno beats, rock borrowings, underground attitude without fear of pop ballads, lots of hedonism.

NMZS | „Der Ekelhafte“
I knew NMZS fleetingly from the freestyle sessions at the Icklack and the Treff. I once heard Adi from Millionadi say to someone “NMZS is the only one of the kids who has talent”. Unfortunately, NMZS took his own life in 2013. His crew, the Antilopen Gang, later signed a label deal with Die Toten Hosen. As a group they were number 1 in the album charts in 2017, Danger Dan repeated this with his last solo album “Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt”.

Thank you!

Text: Thomas Venker
Fotos: Archiv Jens Heubach, siehe Bildbeschreibungen / Aufnahmen Interview und Portraitfotos: Foto Schiko
© THE DORF 2023

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