SCHLEUSE ZWEI • ZU TISCH MIT TOBIAS RÖSGEN

© Maurice Kaufmann

Noch relativ frisch in der Szene, hat sich die Musikbar Schleuse ZWEI des Bilker Bunkers seit ihrer Eröffnung im September 2023 bereits für ihr abwechslungsreiches Live-Programm mit talentierten DJs einen Namen gemacht. Maßgeblich dafür mitverantwortlich ist Tobias Rösgen. Der 39-jährige Düsseldorfer kümmert sich um die musikalische Ausrichtung und Orga der „Bunkerbar“. Im Interview verrät er uns, wie es zur Eröffnung der Musikbar kam und wo die Düsseldorfer Ausgeh-Kultur noch Potential hat. 

Mit der Schleuse ZWEI hat der Bilker Bunker eine Location für entspannte Barabende und aufstrebende DJs ins Leben gerufen. Die bunten Neonröhren und dicken Bunkermauern sorgen für eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Für den passenden Sound sorgt Tobias. Der Düsseldorfer Musikliebhaber entwickelte gemeinsam mit Christina von Plate, der Geschäftsführerin des Bunkers, das Konzept der Musikbar. Auch in der Vergangenheit war er bereits für einige musikalische Events verantwortlich: So war er unter anderem Mitarbeiter beim mittlerweile leider eingestellten Open Source Festival, Mitgründer der Plattform „Pop in Dus“ und Jurymitglied des Projektes „Bandprofessionalisierung“, das sich an aufstrebende Düsseldorfer Musiker:innen richtet. Die Schleuse ZWEI ist sein neuestes Projekt – und eins, das sich sehen lassen kann.

Die Musikbar versteckt sich im Untergeschoss des Bilker Bunker, ein innovativer und offener Raum für Kunst, Kultur und Freizeit. Wo einst Menschen Schutz vor Bomben suchten, befindet sich heute mit Ausstellungsräumen, Showrooms und noch mehr auf insgesamt fünf Stockwerken viel Platz für Kunst und Kultur. Hinter den meterdicken Betonwänden lässt es sich besonders gut abschalten, wenn man mal wieder eine Pause vom stressigen Alltag braucht.

Woher kommt Deine Affinität zur Musik? In welchem Bereich warst Du vor der Schleuse ZWEI beruflich tätig? Ich war immer gerne und viel auf Konzerten und bei Klubnächten, wobei mich insbesondere das Programm interessiert hat. Also wer live spielt oder auflegt. So war es keine Überraschung, dass ich auch hinter die Kulissen blicken wollte. Durch Christian Fleischer und Philipp Maiburg (2/3 Gründern des Open Source Festivals) bekam ich zum Beispiel die Gelegenheit, ein Festival von klein auf wachsen zu sehen. Leider musste ich dann auch das Ende des Open Source Festivals miterleben – nach wie vor ein herber Verlust für die Stadt. Weiterhin habe ich regelmäßig eigene Formate, Klubnächte oder Konzerte auf die Beine gestellt.

Wie kam es zur Idee der Eröffnung einer Musik-Bar im Bunker? Wie sich die Atmosphäre des Raums auf das Konzept ausgewirkt? Der Projektentwickler Andreas Knapp konnte sich glücklicherweise daran erinnern, dass ich bereits 2016 für eine musikalische Zwischennutzung angefragt habe. In der Konzeptionsphase hat er mir, zusammen mit der jetzigen Geschäftsführerin des Bilker Bunkers, Christina von Plate, die Möglichkeit gegeben, ein Konzept für die Nutzung des Kellergeschosses zu entwickeln. Die Idee der Musikbar wurde durch den Stil japanischer Listening Bars inspiriert. Natürlich schrie die Atmosphäre des Bunkerraumes – mit viel Beton und im Keller liegend – förmlich nach einem Techno-Club. Von Beginn an war jedoch klar, dass das aufgrund der direkten Lage im Bilker Wohnbezirk nicht möglich sein wird. Gemeinsam mit dem Architekturbüro KÜSSDENFROSCH wurde die räumliche Gestaltung schließlich auf das Konzept der Musikbar angepasst. Wichtig dabei: Es sollte möglichst viel Bunker-Ästhetik, wie z.B. offene Betonwände oder die Stahl-Schleusentüren, sichtbar bleiben.

Wie wählt Ihr die DJs oder Live-Acts aus? In den ersten Monaten kamen die DJs und Acts überwiegend aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und langjährigen Wegbegleiter:innen. Mittlerweile bekommen wir viele Anfragen von DJs, Musiker:innen – was uns sehr freut!

Wie wird das Konzept von den Düsseldorfer:innen angenommen? Wie ist bisher das Feedback der Gäste in den ersten Monaten seit Eröffnung?  Wir haben wirklich von Beginn an ein sehr gutes Feedback bekommen. Das hat nach der langen Planungs- und Umbauphase, mit so einigen Hürden, sehr sehr gut getan. DANKE!

Was umfasst Euer Angebot an der Bar? Die Getränkekarte umfasst alkoholfreie Softdrinks, Limonaden, Altbier und Pils, Longdrinks/Basics, sowie eine kleine Auswahl an Weinen, Schaumweinen und ausgewählten Cocktails. Uns ist es wichtig, dass unser Angebot nahhaltige und Bio-zertifizierte Produkte umfasst, z.B. altus Bio-Altbier, Charitea oder Lemonaid. Ebenso bei den Spirituosen, wie z.B. Wodka, hergestellt aus regenerativ angebauter Gerste. Bei der Entwicklung unser Cocktailkarte hat uns Fabian von SpiritBomb auf der Karolingerstraße sehr geholfen. Wenn möglich, versuchen wir Produkte direkt vom Hersteller zu beziehen, so auch bei unserem Angebot an Weinen vom Weingut Thorsten Krieger oder einem Champagner von Bernard Remy.

Wer ist Eure Zielgruppe? Jede Altersklasse (ab 18)! Der gemeinsame Nenner ist die Affinität zum Musikprogramm, Kunst & Kultur, sowie Schnaps. 😉

Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus? 
Meterdicke Betonwände und keinen Handyempfang (dafür aber WLAN).

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Unsere Musik, Freundlichkeit, Humor, Offenheit & Drinks.

Eure liebsten Nachbarn? 
Spirit Bomb – Danke, für den Schnaps! Bar – Dr. Pfeiffer – Danke, für das Eis! Unsere toleranten Nachbarn im Hinterhof und den angrenzenden Häusern.

Wie würdest Du die Ausgeh-Kultur in Düsseldorf beschreiben und wo siehst Du noch Potential? Düsseldorf hat definitiv Potential, nur mangelt es an Infrastruktur und Räumen. Und da sich dieses Problem nicht so einfach lösen lassen wird, könnten hier vor allem etablierte Institutionen aushelfen, indem diese offener auf die „sub“-Kulturszene und Musikszene zugehen.

Wohin gehst Du, wenn Du selbst in Düsseldorf Live-Musik hören willst? Gar nicht so einfach, wenn sich die Frage auf „Popkultur“ bezieht. Ich schätze Orte, Konzertreihen und Kollektive wie den Salon des Amateurs, Ritus im Kulturschlachthof oder WP8, das Konzertprogramm im Zakk, die Filmwerkstatt, das Velvet (für DJ-Sets).

Was bringt die Zukunft? Noch mehr Musik, mehr Konzerte und Schnittstellen zum Kunst- und Kulturprogramm im Bilker Bunker. Eventuell auch eine Terrasse.

Vielen Dank!

Schleuse ZWEI

Aachener Straße 39
40223 Düsseldorf

WebsiteInstagram 

Öffnungszeiten

Mi & Do: 19 – 0 Uhr
Fr & Sa: 19 – 2 Uhr

Text: Valentina Görke 
Fotos: siehe Bildbeschreibungen
© THE DORF 2024

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