Isa Genzken im K21

Isa Genzken, Hier und Jetzt, Courtesy tdie Künstlerin und Galerie Buchholz, Berlin / Cologne / New York © Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2021. Foto: Achim Kukulies

Seit dem 8. Mai 2021 füllt das K21 seine Sammlung mit Werken von Isa Genzken, einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Mit gleich zwei Ausstellungen „Hier und Jetzt“ und „Werke von 1973 bis 1983“ bietet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen einen besonderen Blick auf das Schaffen einer international erfolgreichen Künstlerin und ehemaligen Kunstakademie-Studentin. Good News: Sinkt die Inzidenz weiter, könnten die Ausstellungshäuser eventuell schon bald wieder öffnen und die Werkssammlung in voller Gänze betrachtet werden.

Das Augenmerk gilt zwei Werkphasen aus Isa Genzkens fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere. In der Bel Etage des K21 sind aktuelle Werke aus der letzten Dekade zu sehen. Im Untergeschoss des K21 liegt der Fokus auf ihrem visionären Frühwerk  – einer Zeit, die bisher in keiner anderen Ausstellung in diesem Umfang gewürdigt wurde. Diese spannungsvolle Zusammenstellung macht Entwicklungen innerhalb des Œuvres sowie ihre Haltung zur Welt sichtbar. Isa Genzken ist eine Meisterin darin, sich künstlerisch immer wieder neu zu erfinden. Ihr künstlerischer Prozess ist geprägt von der stetigen Neuerkundung von Materialien und Techniken und der Reaktion auf die Umstände ihrer Zeit.

„Isa Genzken. Werke von 1973 bis 1983“ im Untergeschoss des K21
Die Ausstellung „Werke von 1973 bis 1983“ ist eine adaptierte Fassung der gleichnamigen Schau, die vergangenen Herbst im Kunstmuseum Basel zu sehen war. In Düsseldorf wird nun ein besonderer Bezug zum Ort und der Biografie Genzkens hergestellt, denn hier studierte die Künstlerin von 1973 bis 1977 und lebte anschließend bis 1979 in der Stadt. Die Ausstellung beginnt daher mit Werken aus der Studienzeit und schlägt dann den Bogen bis ins Jahr 1983, ab dem sich Genzken zunehmend dem nächsten Thema zuwandte. Gezeigt werden Skulpturen, Computerdrucke, vielteilige Zeichnungsserien, Fotografie und Film.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Ellipsoide und Hyperbolos, längliche Holzskulpturen, denen aufwendige Computerberechnungen zugrunde liegen. Ihre aerodynamische Form deutet auf eine industrielle Herstellung hin, tatsächlich aber handelt es sich um handwerklich gefertigte Unikate, die aus der Auseinandersetzung Isa Genzkens mit der historischen Avantgarde und insbesondere dem amerikanischen Minimalismus hervorgehen. Anders als in der Minimal-Kunst verbergen sich hinter der reduzierten Ästhetik bei ihr subtile Assoziationen und Bezüge zur eigenen Biografie, etwa indem sie ihren Skulpturen Namen von Personen, Orten und Gegenständen gibt.

Die frühen Werke zeigen, mit welchem Selbstbewusstsein und welcher Kompromisslosigkeit Isa Genzken künstlerisch aufgetreten ist und ihre Position in der Bildhauerei eingenommen hat, einem Umfeld, das in den 70er Jahren hauptsächlich von Männern dominiert war.

Neben den Skulpturen liegt ein weiterer Fokus der Ausstellung auf den teils sehr großformatigen, bis zu acht Meter langen Computergrafiken. Sie entstanden ab 1975 parallel zu den Ellipsoiden und Hyperbolos und sind auf Endlospapier ausgedruckt, inklusive der damals typischen Führungslochränder. In ihnen zeigt sich, wie Genzken auf innovative Weise mit algorithmischen Figuren und den technischen Möglichkeiten ihrer Zeit spielt. Auch hier mischt die Künstlerin konzeptuelle Ansätze mit persönlichen Themen. Werke, die zunächst abstrakt erscheinen, werden auf den zweiten Blick als Spuren der eigenen Existenz erkennbar und erzählen von Beziehungen und Begehren.

„Isa Genzken. Hier und Jetzt“ in der Bel Etage des K21
Die Ausstellung „Isa Genzken. Hier und Jetzt“ unternimmt anhand von Installationen, Skulpturen und Wandarbeiten eine Diagnose des Zustandes der Gegenwart. In ihren Werken wirft Isa Genzken einen schonungslosen Blick auf die Gesellschaft des späten Kapitalismus. Damit legt sie die Krisen, Ängste und Tabus offen, die diesen kennzeichnen.

Ihre Installation Gibt es genug Medikamente verweist etwa darauf, wie Gesellschaften um den Umgang mit Krankheiten ringen. In der Installation Poverty beschäftigt sie sich wiederum mit den Themen Armut und Obdachlosigkeit. Gezeigt wird außerdem eine Auswahl von Arbeiten aus der Serie der Geldbilder. Sie besteht aus einer Gruppe von Leinwänden, auf die Geldscheine und Münzen unterschiedlicher Währungen angebracht sind, und die damit im übertragenen Sinne auf Währungen verweisen, die die Welt prägen.  

Eine weitere Werkgruppe in der Ausstellung bilden die Schauspieler. Diese Skulpturen aus Schaufensterpuppen, die die Künstlerin bekleidet, besprüht und mit Alltagsgegenständen ausgestattet hat, stehen einzeln oder in spannungsvollen Gruppen. Auch hier werden Bezüge zur eigenen Biografie deutlich – manche der Puppen tragen Genzkens eigene Kleidungsstücke.

Wichtig ist auch der Aspekt der Interaktion, insofern die Besucherinnen und Besucher um die Skulpturengruppen herumgehen oder zwischen den einzelnen Puppen hindurch gehen können, und so zum Teil der entwickelten Szenarien werden. Anders als bei den Ellipsoiden und Hyperbolos erschaffen die Schauspieler untereinander starke Narrative. Gleichzeitig jedoch verweist ihr Material ebenso wie bei den frühen Skulpturen wieder auf industrielle gefertigte Produktion und insbesondere die schnell vergänglichen Konsumgüter der Massenkultur.

Wie bei den Ellipsoiden, Hyperbolos spielt auch bei den Schauspielern das filmische Denken eine Rolle, das Isa Genzken von ihren frühen Anfängen begleitet. Der modellhafte Charakter der Gruppen der Schauspieler erinnert an Filmsets oder Szenarien aus Städten und die Bewegung des Betrachters ist ein elementarer Bestandteil der Arbeit.

Die Ausstellung „Isa Genzken. Hier und Jetzt“ wird gefördert durch die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda Bank West.

Ausstellung: Isa Genzken | K21
8. Mai 2021 – 5. September 2021
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Ständehausstraße 1 | 40217 Düsseldorf

Text: PR, Maren Schüller
Fotos: siehe Bildbeschreibung
Titelbild: Isa Genzken, Hier und Jetzt, Courtesy die Künstlerin und Galerie Buchholz, Berlin / Cologne / New York © Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, 2021. Foto: Achim Kukulies
© THE DORF 2021

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