Chogori • „Minor Green“ Album Release

Chogori ist eine Band, die es so kein zweites Mal gibt. Auf den ersten Blick erwartet man eher Orchestermusik: ein Kontrabass aus Holz, ein klassisches Schlagzeug… Was man jedoch letztendlich bekommt, ist eine einzigartige analog-elektronische Soundästhetik, die trotz Techno-Elementen mit einer gewissen Leichtigkeit daherkommt. Es ist das Spiel zwischen Klassik und Modernem, das die Musik von Chogori auszeichnet und ihr Wiedererkennungswert verschafft. Nach ihrem letzten Album „Lake“ vor vier Jahren erscheint nun ihr neues Album „Minor Green“, welches an keinem anderen Ort als im legendären Hansa Studio in Berlin entstanden ist. Wir haben uns mit Gregor Kerkmann, der neben Ralf Stritt einer der beiden kreativen Köpfe hinter Chogori ist, unterhalten und mit ihm über das neue Album und die Düsseldorfer Musikszene geredet.

Wer steckt hinter Chogori? Hinter Chogori stecken in erster Linie Ralf und ich. Chogori ist eine Band, die elektronische Musik vor allem live mit ihren ganz eigenen Mitteln transportiert. Wir komponieren und arrangieren die Musik von Chogori und sind sozusagen die „masterminds“ dahinter. Live und im Studio unterstützt uns unser Schlagzeuger Martell Beigang. Martell ist ein versierter Musiker und europaweit mit diversen Projekten unterwegs. Martells Schlagzeugspiel und Groove sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Sounds. Unser aktuelles Album veröffentlichen wir bei einem Kölner Label für elektronische Musik namens Modularfield. Modularfield ist in der Szene für elektronische Musik mittlerweile ein Begriff und vertritt internationale Künstler – außerdem hat es dafür gesorgt, dass wir das Album im Hansa Studio in Berlin aufnehmen konnten. Gefördert wurde die Aufnahme und Produktion des Album durch die Initiative Musik Gmbh, einer Musikförderung des Bundes.

Wie würdet Ihr selbst Eure Musik beschreiben? Wir beschreiben unsere Musik als analog elektronische Musik, gespielt mit Kontrabass, analogen Synthesizern und Schlagzeug. Analog ist dabei ein wichtiger Aspekt, weil wir komplett auf Computer und digitale Klangerzeugung verzichten. Der Computer kommt bei uns lediglich als „Bandmaschine“ zum Einsatz, womit wir aufnehmen und arrangieren. Der analoge Aspekt unserer Instrumente ist ein maßgeblicher Bestandteil unseres Sounds, unserer Herangehensweise und wie wir elektronische Musik transportieren.

Habt Ihr musikalische Vorbilder? Direkte Vorbilder haben wir nicht, weil uns unsere Eigenständigkeit wichtig ist. Aber natürlich haben wir unsere musikalischen Heroes aus verschiedenen Genres, die uns als Musiker und komponierende Musiker geprägt haben: Ryuichi Sakamoto, Brian Eno, Can, Sun Ra, Herbie Hancock, John Coltrane, Karl-Heinz Stockhausen, Steve Reich bis hin zu Joy Division und Tortoise, Aphex Twin, Black Midi… Also eine sehr breite Aufstellung von Genres, über Krautrock, Jazz, Funk, 80er Wave bis hin zum aktuellen Warp Records Katalog.

Was erwartet Zuhörer:innen bei Eurem neuen Album „Minor Green“? Woher stammt die Inspiration für den Titel? Das neue Album ist quasi ein Live-Dokument und wurde auch so aufgenommen. Ohne Edits oder Overdubs, was man auch in den kommenden Videos erkennen kann. Wir gehen mit den Zuhörer:innen auf eine breitgefächerte Chogori-Reise…. Der Albumtitel ist ein Bild, das wir im Kopf hatten/haben: Minor Green ist für uns eine musikalische Farbe, die in gewisser Weise die Stimmung des Albums trägt.

Ist zur Veröffentlichung ein Release-Konzert geplant? Tatsächlich stehen demnächst zwei Konzerte an. Am 29. September 2023 sind wir im urban urtyp in der Christuskirche in Bochum und am 26. Januar 2024 im Salon des Amateurs. Weitere Konzerte sind gerade in Planung!

Was unterscheidet „Minor Green“ von Euren vorherigen Alben? Wir waren in der luxuriösen Situation, uns dieses Mal voll aufs Musikmachen und auf unser Zusammenspiel zu konzentrieren. Ohne Probleme mit der Technik und mit zwei sehr netten und fähigen Engineers, die sich komplett um die Technik gekümmert haben. Das war aber auch nötig, denn der Druck war schon enorm, da wir mit dem Einspielen des Albums auch gleichzeitig die Performance Videos zum Album gedreht haben. Insofern haben wir einen weiten Schritt nach vorne gemacht und sind sehr glücklich mit dem Sound und der gesamten Performance.

Die Hansa-Studios, wo ihr das neue Album aufgenommen habt, wurden durch Künstler wie David Bowie, Falco und Depeche Mode international berühmt. Wie war es für Euch, dort an Euren Songs zu arbeiten? Dort zu arbeiten war inspirierend und voller Bilder: sowohl an den Wänden als auch im Kopf. Dort hingen einige Bilder von Bowie zu seiner Berlin Phase, Depeche Mode, U2, aber auch Marianne Rosenberg und Udo Jürgens zu ihren besten Zeiten. Im Reparatur-Raum hatte sich Brian Eno an der Wand verewigt, das habe ich natürlich abfotografiert…

Wie würdet Ihr die Düsseldorfer Musikszene beschreiben? Vielschichtig, interessant, und anders. Dazu ein Beispiel: Ich habe vor 2 Wochen bei Clang! ein Solokonzert gegeben. Das Konzept war: 4 Musiker improvisieren zu einer Klanginstallation von Julien Deiss (Kunst) und Tao Hoejgaard (Musik), zwei Künstler aus Copenhagen. Anja Lautermann, Stephan Wappner, Jovan Stojsin und ich haben nacheinander zu der Installation improvisiert. Das hat echt Spaß gemacht, die Leute haben richtig zugehört… einfach toll. Das ist für mich eines der schönsten Aspekte der Düsseldorfer Musikszene: die Experimentierfreudigkeit, Kunst um der Kunst willen.

Wo kann man in Düsseldorf am besten Musik hören/finden? Ich empfehle Hitsville. Das ist ein toller Laden mit einer sehr geschmackvollen Auswahl verschiedenster Genres…

Was ist musikalisch für die Zukunft geplant? Weiterhin so gute Musik zu machen, wie wir können…

Vielen Dank!

Das Album „Minor Green“ von Chogori ist ab Freitag, den 22. September 2023 auf Bandcamp, Spotify und allen anderen Streaming-Diensten erhältlich. Weitere Infos und Ankündigungen der Band findet Ihr auf der Landing Page des Labels und auf Instagram

Text: Valentina Görke
Fotos: Chris Piotrowicz
© THE DORF 2023

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