SPACE BURGER

Was kommt heraus, wenn man Disneyland, ein typisch amerikanisches Diner und Jurassic World miteinander kombiniert? Die Antwort: Space Burger! Das Burgerrestaurant gibt es seit mittlerweile über 25 Jahren und ist damit eine wahre Düsseldorfer Institution. Gegründet als kleiner Imbiss einer iranischen Familie, die nach Deutschland auswanderte, um sich hier mit einem der ersten deutschen Burgerläden überhaupt selbstständig zu machen, klingt die Geschichte des Ladens tatsächlich intergalaktisch. Neben ausgefallenen Burgern bietet Space Burger allem eins: eine Atmosphäre, die zum Wohlfühlen einlädt – und jede Menge Nostalgie.
Inhaber Pulad Mohammadi hat seiner zweiten Filiale in der Altstadt vor einigen Wochen einen neuen Anstrich verpasst und damit einen Ort kreiert, der Kindlichkeit, Kreativität und Freude vermittelt. Ab sofort können Gäste hier unter anderem in thematisch gemischten Sitznischen ihr Essen genießen, sich in Videospielen der 80er und 90er verlieren oder sich Klassiker wie „Star Wars“ und „Stirb langsam“ auf VHS-Kassetten ansehen. Mit dem „8D Holo Max“ kann man sich sogar per Menü einen eigenen Hintergrund aussuchen, vor dem man am liebsten sitzen möchte – inklusive 3D-Brille! Mit seinem charmanten Retro-Interieur und originalen Erinnerungstücken der vergangenen Jahrzehnte ist Space Burger ein interaktives Erlebnis für Jung und Alt. Hier ist jede und jeder willkommen. Wir haben Pulad in seinem neu gestalteten Restaurant in der Altstadt getroffen und mit ihm in Erinnerungen geschwelgt.

Space Burger ist mittlerweile eine richtige Düsseldorfer Institution. Seit wann gibt es das Restaurant und was ist die Geschichte dahinter? Uns gibt es seit 1997. Ich war damals 16. Meine Familie ist aus dem Iran hierher emigriert und meine Mutter, die vorher schon sehr lange in verschiedenen Küchen gearbeitet hat, wollte sich selbstständig machen. Die Wahl fiel schließlich auf Burger. Wir dachten uns: Warum muss Burger eigentlich immer amerikanisch sein? Damals gab es nur McDonald’s. Als Ausländer konntest du damals entweder einen Dönerladen aufmachen oder eine Pizzeria, das war’s im Grunde. Darum wollten wir etwas Neues ausprobieren. Meine Eltern fragten mich, wie wir den Laden nennen sollen. Ich war damals ein ziemlich verstrahlter Teenie, der nur vor der Glotze hing und Videospiele spielte. Für mich war es da nur logisch, den Laden Space Burger zu nennen, auch weil wir immer ein wenig das Gefühl hatten, dass wir „Aliens“ sind, weil wir neu in Deutschland waren. Ich wusste damals schon, dass ich das Restaurant als futuristisches Konzept haben wollte, wo das Ambiente, die Musik und das Essen zusammenpassen. Zumal war es mir wichtig, einen Platz zu schaffen, wo sich alle wiederfinden können. Das war auch das Coole an unserem ersten kleinen Imbiss in Derendorf: Die ganze Nachbarschaft hat sich in dieser freaky Umgebung zusammengefunden.

Als Ihr Space Burger 1997 eröffnet habt, waren Burger in Deutschland (bis auf die großen Ketten) noch eine Seltenheit. War es schwer, hier Fuß zu fassen und die Leute für Euer Konzept zu begeistern? Es ging nicht von Jetzt auf Gleich. Aber das Gute war, dass meine Eltern am Grill standen und wir das einzige Geschäft waren, welches das Fleisch selbst gemacht hat. Die Rezepte waren von meiner Mutter, mehr homemade ging nicht! Jeder, der es probiert hat, ist wiedergekommen. So hat sich Space Burger verbreitet und wir haben uns in Düsseldorf verwurzelt. Wir haben viele Gäste, die schon damals als Jugendliche kamen und heute mit ihren Kindern zu uns kommen. Auch viele der Kellner:innen, die wir in all den Jahren hatten, kommen immer wieder. Space Burger hat in Düsseldorf viele Generationen begleitet und sich mit den Gästen weiterentwickelt.

Ihr wart bei der Gestaltung Eures Ladenlokals schon immer etwas anders als andere Burgerrestaurants. Jetzt habt Ihr Euren Laden komplett auf links gedreht – erzähl uns, was Euch zu diesem Schritt bewogen hat und was die Gäste erwartet. Zunächst muss man sagen, dass Corona für uns wie für viele andere Gastronom:innen ganz schwierig war. Wir haben es zwar überstanden, aber danach haben wir gemerkt, dass es sehr an den Kräften gezehrt hat. Die Altstadt und ihr Publikum haben sich verändert: viele Leute, die früher regelmäßig hierher kamen, haben seitdem keinen Fuß mehr in die Altstadt gesetzt. Außerdem wollten meine Eltern, die den Laden bis jetzt geführt hatten, auch in den Ruhestand. Da fiel die Entscheidung an, ob wir den Laden und damit Space Burger aufgeben oder ob ich ihn übernehme und das Beste draus mache. Für mich stand fest: Wenn ich Space Burger übernehme, will ich das so geil wie möglich machen und alles reinstecken, was geht. Das hieß auch, das bisherige Konzept auf ein neues Level zu bringen und einen coolen Laden zu machen, in dem ich mich wohlfühle.

Du kommst ursprünglich aus der Kunst. Inwiefern hast Du Deine künstlerische Seite an der Inneneinrichtung des neu eröffneten Ladens ausgelebt? Ich habe als Künstler immer nach neuen Wegen gesucht, meine Kreativität hinaus in die Welt zu tragen.  Von daher war es für mich naheliegend, den Burgerladen meiner Eltern als künstlerisches Projekt zu begreifen. Ich habe das nicht alleine gemacht, sondern mir Helfer:innen geholt, die mir bei der Umsetzung geholfen haben, darunter einen New Yorker Künstler. Hier ist also alles von mir und anderen Künstler:innen mit viel Liebe und Herzblut selbst entworfen. Ich habe das Konzept dirigiert, und bei der Ausführung waren dann andere beteiligt.

Ihr bietet mittlerweile auch viele vegetarische und vegane Optionen an. Wie ist da die Zustimmung eurer Gäste? Werden mehr klassische Burger oder fleischlose Alternativen bestellt? Wir haben schon vegetarische Optionen angeboten, als das noch gar nicht üblich war. Bei uns gibt es schon seit 20 Jahren Veggie-Alternativen und auch vegane Burger hatten wir vor dem großen Hype im Sortiment. Wir machen das, weil wir an die Vielfalt und Diversität glauben und das vorleben wollen. Das ist für uns absolut selbstverständlich, und auch unsere Gäste wussten das schon immer zu schätzen. Früher war natürlich alles, was mit Fleisch zu tun hatte, viel dominanter. Mittlerweile sind wir da aber locker schon bei 50:50.

Wie siehst Du die Entwicklung von Burgerläden in Düsseldorf? Ich sah sie schon mal besser. Es gab vor ein paar Jahren diesen Burgerhype, in welchem Zuge viele Burgerläden aufgemacht haben. Das fand ich auf der einen Seite cool, weil ich es überhaupt nicht schlimm finde, wenn es da viel Angebot gibt. Auf der anderen Seite fände ich es schön, wenn dieses Angebot auch wirklich divers wäre und nicht die meisten dasselbe machen. Ich finde es schade, dass es einen Prototyp-Burger gibt, und wer sich nicht daran hält, macht halt nicht den besten Burger. Dabei ist der Burger deshalb so interessant, weil er so viele Gestaltungsspielräume bietet. Leider finde ich auch, dass es in den letzten paar Jahren einen enormen Rückschritt gab. Vor ein paar Jahren gab es noch viel mehr Läden, die wirklich versucht haben, hausgemachte Burger zu machen. Heute haben viele der kleineren Läden zugemacht. Stattdessen haben wieder die großen Konzerne übernommen, die überhaupt nicht familiär, intim, individuell oder divers sind. Die haben sich die größten und besten Standorte gesichert, weil die hier sonst keiner mehr bezahlen kann. Deshalb wird es für kleinere und besonderere Läden immer schwieriger, sich durchzubeißen.

Was ist Dein persönlicher Lieblingsburger? Das ist der, den ich mir einfach nach meiner Tagesform zusammenstelle. Den einen gibt es nicht, da gibt es einfach zu viele. Außerdem esse ich unsere Burger schon seit fast 30 Jahren, ich kenne die Karte in-und auswendig – ich habe eigentlich jede Woche einen anderen Lieblingsburger!

Wie sieht Dein perfekter Feierabend aus? Das hat sich stark gewandelt. Als ich noch keine Kinder hatte, sah der ganz anders aus als jetzt. Jetzt ist mein perfekter Feierabend, Zeit mit meinen zwei Töchtern zu verbringen, ihnen etwas vorzulesen und mich von ihnen so lange foltern zu lassen, bis sie eingeschlafen sind.

Vielen Dank!

Space Burger 

Neustraße 41
40213 Düsseldorf

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Öffnungszeiten

Mo – Fr: 12 bis 22 Uhr
Sa: 13 bis 22:30 Uhr
So: 13 bis 22 Uhr
Zahlungsmöglichkeiten

Barzahlung, Kartenzahlung

Text: Valentina Görke
Fotos: Samira Kreuels
© THE DORF 2023
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