Random Dudes

Verspielter jangly Artrock, Indie-Rock, Bedroom-Pop, Lo-Fi und Alternative – irgendwo dazwischen bewegt sich die Düsseldorfer Band Random Dudes. Sie ist das independent Recording-Projekt von Roland Sonnabend, der gerade seinen Abschluss als Meisterschüler der französischen Konzeptkünstlerin Dominique Gonzalez-Foerster an der Kunstakademie in Düsseldorf gemacht hat. Nach der Gründung der Band im Jahr 2018 und der Veröffentlichung ihrer ersten Slacker EP Whaddup Dude?! ist nun endlich ihr erstes Full-Length-Album Pizza ’79 auf dem Weg, kurz nachdem Anfang 2022 zwei weitere Singles namens Baby You Will Love Me und What We Were Talking About veröffentlicht wurde. Der Release des Albums Pizza ‘79 steht am 11. März 2022 an. Die Songs, die an Pavement oder ein etwas fröhlicheres Velvet Underground erinnern, handeln von Liebe, Kommunikation und dem Erwachsenwerden. Das Album ist ein Relikt aus einfacheren, weniger erwachsenen und weniger turbulenten Zeiten, da alle Songs in der Prä-Corona-Ära geschrieben wurden. Wir trafen Roland zum Gespräch über die Entstehung des neuen Albums und Düsseldorfer Pizzabuden.

Für Leute, die Euch und Eure Musik nicht kennen: Wer sind die Random Dudes und wie beschreibt Ihr Euren Musikstil? Wir sind Max (Drums/Gitarre), Timo (Gitarre), Niklas (Gitarre/Bass) und Roland (Gitarre/Gesang). Unsere Musik ist wahrscheinlich irgendwas zwischen Indie-Rock, Art-Rock, Bedroom-Pop und Lo-Fi. Das genau zu benennen ist ja immer schwierig. Unser aktuelles Album ist aber auf jeden Fall von den 90ern beeinflusst. Vielleicht kann man es auch Slacker-Rock nennen. 

Seit wann macht Ihr Musik und wie habt Ihr Euch dann als Band gefunden?  Roland: Ich spiele Gitarre seit ich 6 oder 7 Jahre alt bin, genau weiß ich das gar nicht mehr. Aber dadurch war Musik immer schon im Alltag dabei. Später habe ich mir dann eine E-Gitarre gewünscht, vermutlich nachdem ich School Of Rock gesehen habe. Ich wollte eben so cool sein wie Leute, die E-Gitarre spielen. Mein Gitarrenlehrer hat mich früher immer gedrängt eine Band zu gründen. Jedoch hatte ich in meinen Teenagerjahren eher Sport im Kopf. Erst als ich keinen Unterricht mehr hatte, hat es mich wieder gepackt und ich habe täglich mehrere Stunden gespielt und versucht zu komponieren, so circa seit ich 17 oder 18 bin.

Die Band wurde gegründet, als ich einen Gig im Salon des Amateurs angeboten bekommen habe. Meine Professorin an der Kunstakademie, Dominique Gonzalez-Foerster, macht auch Musik und hat mich ermutigt live zu spielen. Dafür brauchte ich aber Leute. Mit Timo hatte ich vorher schon ab und zu im Proberaum gejammt. Er war sofort dabei und hat mit mir die Songs eingeübt. Timo ist außerdem als DJ Fehlt aktiv und hat mit der Spam-Reihe eine Menge Parties in Düsseldorf organisiert. Zurzeit ist er in Berlin. Zwei Tage vor dem Gig haben wir noch Max ins Boot geholt, der als Teenager in einer ziemlich wilden Punkband namens Scheiß Drauf gespielt hat. So haben wir uns zu dritt erstmal ein paar Monate durchgeschlagen und ein paar Gigs gespielt, bis wir noch Niklas ins Boot geholt haben, der wahrscheinlich der beste Gitarrist von uns ist, aber als letzter in die Band kam und daher Bass spielen muss. Insgesamt ist die Besetzung aber flexibel und es kommt schonmal vor, dass wir die Instrumente tauschen. Jeder von uns kann Gitarre spielen.

Welche Interpreten beeinflussen Eure Musik? Wie schwer ist es, einen eigenen Stil zu finden? Ein eigener Stil entwickelt sich nach genügend Zeit eigentlich ganz organisch. Jedoch dauert es ein bisschen, sich von seinen wichtigsten Einflüssen zu lösen und distinktiver zu werden. Irgendwann entwickelt man seine Routinen, ist reifer und sicherer und weiß ungefähr, was funktioniert. Ich denke, letztendlich ist der Stil immer irgendwie eine Synthese aus all unseren Einflüssen und dem, wo wir hinwollen und am Ende verselbstständigt sich das Ganze und wird was Neues. Das ist dann aber auch das Spannende daran, weil man nie weiß, wo man landet. Hinterher geht es dann darum zu beurteilen, ob man zufrieden ist mit dem Sound oder alles nochmal über Bord wirft und irgendwo neu ansetzt.

Während ich die Songs für Pizza ’79 geschrieben habe, hab ich eine Menge Pavement gehört. Stephen Malkmus war lange Zeit eine Art Vorbild. Aber auch Bands wie Good Morning waren mir damals wichtig. Mittlerweile geht es noch mehr in Richtung Lo-Fi und ich liebe zurzeit Stereo Total und billige Keyboard-Sounds. Fat White Family, Harry Nilsson, Paul McCartney, Kim Gordon, Insecure Men, Tops, Donny & Joe Emerson und Brian Jonestown Massacre sind momentan auch weit oben, was Einflüsse angeht. Aber es sind auch immer irgendwie die Beach Boys und Velvet Underground dabei. Außerdem liebe ich französische Musik und Morabezza Tobacco aus Schweden machen super spannenden Lo-Fi! Letztlich gibt es zu viel, was wir hören, um alles aufzuzählen. 

Was inspiriert Euch in Eurem kreativen Prozess? Fast alles kann Inspiration sein. In letzter Zeit aber vor allem die politische Lage. Ich arbeite zurzeit an einer Art Protestalbum, dass die Klimakatastrophe und das Versagen der Politik adressiert. Manchmal gefällt es mir, Songs zu schreiben, über Leute, die ich nicht mag oder von denen ich finde, dass sie sich daneben benehmen, um Dampf abzulassen. Auch in andere Perspektiven zu schlüpfen, aus denen heraus man Songs schreibt, kann sehr fruchtbar sein. Ich versuche Wiederholungen im Songwriting so gut es geht zu vermeiden. Auch das Sammeln von alten Keyboards und dadurch das Entdecken von neuen Sounds sorgen dafür, dass das Schreiben und Komponieren spannend bleibt. 

Ihr dropped Euer erstes Album „Pizza ’79“ am 11. März 2022. Was steckt hinter dem Titel und was erwartet die Hörer*innen? Da wir das Album sowohl in Düsseldorf als auch in Köln aufgenommen haben, bezieht sich der Titel auf eine Kölner Pizzeria, bei der wir während der Aufnahmen bestellt haben. Die heißt Pizzeria 79. Wir finden den Titel witzig, da er eben random war. Außerdem hat er an bedeutungsschwangere klassische Musiktitel wie Summer of ’69 oder Freedom of ’76 erinnert. Das mögen wir, da wir gerne mit popkulturellen Erwartungshaltungen und Historizität spielen.

Die Hörer erwartet eine bunte Mischung an Indie-Rock-Songs. Größtenteils sind es Lovesongs, aber es geht auch um Kommunikation und ums Erwachsenwerden. Die Songs wurden noch in etwas einfacheren Zeiten geschrieben, als wir noch jünger waren. Da ging es eher noch darum, jemanden zu beeindrucken, den man mag. Daher sind die Songs auch so positiv und verträumt. Unser persönlicher Favorit ist der Song Brokkoli, der einzige den wir je auf deutsch geschrieben haben. Was die Hörer*innen, die das Album auf Bandcamp kaufen, außerdem erwartet, ist, dass wir jeden Cent, den wir dort einnehmen, spenden werden. 

Welche Thematiken habt Ihr in Eurem Album verarbeitet, beziehungsweise aufgegriffen? Tatsächlich sind es relativ viele verschiedene Thematiken, die aber irgendwie miteinander verknüpft sind. Es geht darum, nervös zu sein, wenn man mit einer Person spricht, die man mag. Es geht um das Aufwachsen und Liebe im Spätkapitalismus. Manchmal geht es auch direkt um Politik. Hauptsächlich geht es aber wohl um Kommunikation. Die Songs sind ja auch irgendwie ein Kommunikations-Tool und ein Weg Dinge auszudrücken, die man im Gespräch vielleicht nicht raus kriegt.

Wie sah die Arbeit an Eurem ersten Album aus? Wir haben viel länger am Album gearbeitet, als ursprünglich geplant. Das lag auch an vielen Corona-bedingten Pausen. Die Songs waren eigentlich schon 2019 fertig geschrieben und 2020 hatten wir eigentlich schon fast alles aufgenommen. Daraufhin haben wir aber an der Kunstakademie die Drums nochmal aufgenommen und uns dazu entschieden, alles andere auch nochmal einzuspielen. Das haben wir dann in Köln bei unserem guten Freund Jon gemacht. Die Aufnahmesessions haben wir im Sommer gemacht und es war höllisch heiß. Ein Highlight war daher der Kühlschrank mit Eiswürfelspender. Während wir das Album aufgenommen haben, wurden aber auch schon die Songs für die nächsten Alben geschrieben.

Wo spielt beziehungsweise hört Ihr Eure Musik in Düsseldorf am liebsten? Ende April werden wir wahrscheinlich das erste Mal im Zakk spielen! Darauf freuen wir uns besonders! Bis dato hat es uns eigentlich oft am meisten Spaß gemacht, in der Kunstakademie zu spielen, wo ich mit einer Freundin ein paar Mal Festivals veranstaltet hatte. An der Akademie gibt es auch viele junge Musiker:innen und wir hoffen, dass dort noch mehr Bands kommen werden.

Bester Ort in Düsseldorf um neuen, kreativen Input zu bekommen? Das können ganz verschiedene Orte sein, je nachdem mit wem man spricht! Natürlich ist die Akademie für mich weit oben. Es kann aber auch im Café sein, wenn man mit den richtigen Leuten dort sitzt. Wir schätzen außerdem die Düsseldorfer Kleinkunstkinos sehr und ich mag Spaziergänge durch Bilk, Richtung Rhein. 

Die beste Pizza/Pizzeria in Düsseldorf? 
Timo: Matteo
Max: Matteo
Niklas: Tagsüber Romantica, nachts um 3 Matteo
Roland: Romantica und Cemo 

Düsseldorf in drei Worten? Timo: Pesto, Spinat, Pizza 

Was bringt die Zukunft? Sind Konzerte in Planung, sofern das möglich ist? Wir spielen vermutlich einen Gig in Köln Mitte März und Ende April im Zakk. Lange im voraus zu planen ist zurzeit noch schwierig. Außerdem haben wir noch viele Aufnahmen in der Pipeline und die folgenden drei Alben stehen schon! Zurzeit sind wir auf Labelsuche. Die Band zu vergrößern, fände ich auch schön – mit Keyboards/Synths und Saxophon! Generell ist alles möglich.

Vielen Dank!

Das Album “Pizza ‘79″ der Random Dudes ist ab Freitag, den 11. März 2022 auf allen Streaming-Diensten und bandcamp erhältlich. Alle weiteren Infos zu den Random Dudes gibt es auf der Website, sowie den Social Media Kanälen Instagram, Facebook oder auf YouTube

Interview: Anna Dittberner
Fotos: Cover Roland Sonnabend, Rest: siehe Bildunterschrift
© THE DORF 2022

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